German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Digitale MANV-Simulation zur Analyse klinischer Entscheidungsprozesse im TraumaNetzwerk Ruhrgebiet
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Ziel der Studie war es zu untersuchen, ob das TraumaNetzwerk (TNZ) Ruhrgebiet im Falle eines Massenanfalls von Verletzten (MANV) die selbst gewählten Behandlungskontingente behandeln kann. Um die Systembelastbarkeit kostengünstig zu untersuchen, wurden standardisierte Patienteninformationen digital übermittelt. Die teilnehmen Kliniken bewerteten auf Grundlage real bestehender Versorgungskontingente die eingegangenen Informationen und übermittelten anhand von Fragebögen lokale Behandlungsentscheidungen und -kapazitäten, um die Gesamtfunktionalität des TNZ Ruhrgebiet bewerten zu können.
Material und Methoden: Im Rahmen einer theoretischen MANV-Übung wurde ein Schadensereignis (Verpuffung mit 153 Betroffenen) simuliert. 13 Zielkliniken nahmen freiwillig teil, darunter 7 überregionale (ÜTZ), 4 regionale (RTZ) und 2 lokale Traumazentren (LTZ). Die initiale Ersteinschätzung und Klinikzuweisung erfolgte standardisiert durch einen Organisatorischen Leiter Rettungsdienst der Feuerwehr (24 Sichtungskategorie (SK) I, 35 SK II, 94 SK III). Die teilnehmenden Kliniken füllten auf Grundlage real bestehender Versorgungskontingente zu Übungsbeginn einen Fragebogen zur Ausgangssituation aus. Anschließend wurde jeder Patient per QR-Code vorangemeldet und zum imaginären Eintreffzeitpunkt mit QR-Code detailliert dargestellt. Auf Basis der zum Übungszeitpunkt verfügbaren personellen und strukturellen Ressourcen trafen jeweils verantwortliche Klinikvertreter eine theoretische Aufnahme- und Behandlungsentscheidung. Reale Patiententransporte oder klinische Maßnahmen fanden nicht statt.
Ergebnisse: Alle beteiligten Kliniken konnten anhand der digitalen Informationen zeitnah eine strukturierte Einschätzung der Versorgungssituation vornehmen. Die Annahme- und Priorisierungsentscheidungen zeigten, dass die Krankenhäuser ihrem Versorgungsauftrag entsprechend der gemeldeten Kontingente nachkommen konnten. Es bestanden Triagierungsunterschiede zwischen Sichtungskategorien und innerklinischen Triagierungsstufen. Die Entscheidung, MANV-Alarmierungen für das Klinikpersonal auszulösen, unterschied sich zwischen ÜTZ und LTZ.
Diskussion und Schlussfolgerung: Digitale, fragebogenbasierte MANV-Simulationen stellen ein praktikables und ressourcenschonendes Instrument zur Analyse klinischer Entscheidungsfindung dar. Die differenzierte Abbildung zertifizierungsabhängiger Versorgungsstrategien sowie die Identifikation von Diskrepanzen zwischen präklinischer Triage und klinischer Einschätzung liefern wertvolle Ansatzpunkte zur Weiterentwicklung regionaler Katastrophen- und Versorgungsstrukturen. Das Studiendesign erlaubt eine realitätsnahe Abbildung klinischer Entscheidungsprozesse bei geringem Personal- und Ressourcenaufwand. Lokale Patientendarstellungen können in die Gesamtübung integriert werden. Perspektivisch können Simulationen dieser Art dazu beitragen, Patienten im MANV gezielter unterschiedlichen Versorgungsstufen zuzuweisen und klinische Ressourcen effizienter einzusetzen.



