German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Behandlungsoptionen für proximale Radiusfrakturen im Zeitverlauf in Deutschland
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Das deutsche Gesundheitssystem unterliegt einem tiefgreifenden Wandel, geprägt durch demografische Alterung, strukturelle Anreize des DRG-Systems zugunsten operativer Verfahren sowie medizinisch-technische Fortschritte. Ziel dieser Studie war die Analyse zeitlicher Veränderungen in der stationären Versorgung proximaler Radiusfrakturen (PRF) in Deutschland unter Berücksichtigung demografischer Entwicklungen und bevölkerungsadjustierter Behandlungsraten über einen Zeitraum von 15 Jahren.
Material und Methoden: Es wurde eine retrospektive, bevölkerungsbasierte Analyse bundesweiter Krankenhausabrechnungsdaten durchgeführt. Grundlage bildeten Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) und DRG-basierte Abrechnungen. Stationäre Fälle mit proximaler Radiusfraktur (ICD-10 S52.1) sowie operative Eingriffe mittels Radiusköpfchenosteosynthese (RH-OS) und Radiusköpfchenendoprothese (RH-EP; sechsstellige OPS-Codes) wurden für die Jahre 2010 und 2024 identifiziert. Fallzahlen wurden absolut und als bevölkerungsadjustierte Inzidenzen altersstratifiziert ausgewertet. Zur Analyse zeitlicher Trends der operativen Versorgung wurden generalisierte lineare Modelle mit Poisson-Verteilung unter Adjustierung für Alter, Bevölkerungsgröße und Frakturinzidenz verwendet.
Ergebnisse: Die Anzahl stationär behandelter PRF blieb nahezu konstant (2010: 8.146 vs. 2024: 8.126; −0,2%; Inzidenz −2,4%). Während die Frakturinzidenz bei Patienten <60 Jahre abnahm, zeigte sich ein deutlicher Anstieg in den Altersgruppen 60–75 und 80–95 Jahre. Die Zahl der RH-OS stieg von 4.432 auf 5.737 (+29%; Inzidenz +26%) mit einer Altersverschiebung der Behandlungsmaxima von 40–70 auf 60–85 Jahre. RH-EP nahmen von 1.149 auf 1.427 zu (+24%; Inzidenz +21%) bei weitgehend stabiler Altersverteilung. Insgesamt erhöhte sich die Zahl operativer Eingriffe um 28% (Inzidenz +25%), während der Bevölkerungsanteil ≥60 Jahre um 12% zunahm. Die multivariate Analyse zeigte eine signifikant höhere operative Behandlungsrate im Jahr 2024 gegenüber 2010 (Ratenverhältnis 1,20; 95%-KI 1,00–1,44).
Diskussion und Schlussfolgerung: Trotz stabiler Frakturinzidenz nahm die operative Versorgung proximaler Radiusfrakturen deutlich zu, insbesondere durch Osteosynthesen. Demografische Effekte erklären diesen Anstieg nur teilweise. Veränderte Operationsindikationen, therapeutische Paradigmen und strukturelle Vergütungsanreize dürften zusätzliche Einflussfaktoren sein. Vor dem Hintergrund einer weiter alternden Bevölkerung ist mit einer weiteren Zunahme operativer Behandlungen zu rechnen, was eine vorausschauende Versorgungs- und Gesundheitsplanung erforderlich macht.



