German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Hüft-TEP bei Dysplasiecoxarthrose – ist die „anatomische“ Rekonstruktion dem „High-Hip-Center“ überlegen?
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Eine unbehandelte, hochgradige Hüftdysplasie führt im Erwachsenenalter häufig zur sekundären Coxarthrose mit hoher Hüftluxation. In der endoprothetischen Versorgung stehen dabei zwei etablierte Rekonstruktionsstrategien zur Verfügung: das Belassen eines hohen Hüftdrehzentrums („High-Hip-Center“) oder die anatomische Rekonstruktion im wahren Acetabulum. Ziel dieser Studie war es, die 15-Jahres-Ergebnisse bei Patienten mit sekundärer Coxarthrose infolge einer Hüftdysplasie zu untersuchen und den Einfluss der Rekonstruktion des Hüftdrehzentrums auf die Revisionsrate und klinischen Ergebnisse zu analysieren.
Material und Methoden: In dieser retrospektiven Kohortenstudie wurden 120 konsekutive Hüft-TEP Implantationen bei endgradiger Coxarthrose aufgrund einer Hüftdysplasie bei Patienten unter 60 Jahren (Durchschnitt: 47, Spannweite: 19–59) eingeschlossen und prospektiv nachuntersucht. Die Pfannenrekonstruktion erfolgte in 103 Fällen zementfrei und in 17 Fällen zementiert, während alle Femurschäfte zementfrei implantiert wurden. Die Dysplasieschwere wurde anhand präoperativer Röntgenaufnahmen nach Hartofilakidis bestimmt (Typ A: n = 67 [56%]; Typ B: n = 39 [33%]; Typ C: n = 14 [12%]). Das Implantatüberleben wurde mittels Kaplan-Meier-Analysen ermittelt. Die Höhe des Rotationszentrums wurde prä- und postoperativ gemessen und mit Revisionsraten sowie der klinischen Funktion (PROMs) korreliert.
Ergebnisse: Nach einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 15 Jahren (Spannweite: 14,2–16,5) waren 11 (9%) Patienten verstorben und 11 (9%) „lost to follow-up“. Insgesamt mussten 5 (4%) Revisionseingriffe durchgeführt werden: ein Kopf-Inlay-Wechsel aufgrund einer akuten periprothetischen Infektion, zwei Schaftwechsel aufgrund aseptischer Lockerungen, ein Schaftwechsel nach periprothetischer Femurfraktur sowie ein kombinierter Schaft- und Pfannenwechsel aufgrund einer atraumatischen Schaftfraktur. Die 15-Jahres-Implantatüberlebensrate betrug 95% (95%-KI: 89–98%). Die postoperative Höhe des Rotationszentrums hatte keinen signifikanten Einfluss auf die Revisionsrate oder das funktionelle Outcome. Alle Patienten zeigten postoperativ eine signifikante klinisch-funktionelle Verbesserung in den erhobenen Scores. Zwischen den drei Dysplasieschweregraden bestanden keine signifikanten Unterschiede für das Implantatüberleben (p = 0,73), jedoch erreichten Patienten mit einer milden Dysplasie ein besseres klinisches Ergebnis als Patienten mit schwerster Dysplasie.
Diskussion und Schlussfolgerung: Die Hüftendoprothetik bei Dysplasie führte zu einer exzellenten klinisch-funktionellen Verbesserung bei gleichzeitig hervorragendem revisionsfreiem Implantatüberleben nach 15 Jahren und stellt somit zweifelsfrei den therapeutischen Goldstandard in der Behandlung der endgradigen Dysplasiecoxarthrose dar. Die Rekonstruktion des Hüftdrehzentrums kann dabei sowohl anatomisch im wahren Acetabulum als auch bewusst kranialisiert im Sinne eines „High Hip Center“ erfolgen, ohne dass hieraus erhöhte Implantatversagensraten oder funktionelle Nachteile resultieren.



