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German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Standardarbeitsanweisung für die perioperative Antibiotikaprophylaxe in der Primär-, Revisions- und Tumorendoprothetik

André Lunz - Zentrum für Orthopädie, Unfallchirurgie und Paraplegiologie, Heidelberg, Deutschland
Andreas Geisbüsch - Zentrum für Orthopädie, Unfallchirurgie und Paraplegiologie, Heidelberg, Deutschland
Frederike Lund - Universitätsklinikum Heidelberg, Klinik für Anästhesiologie, Heidelberg, Deutschland
Sabrina Klein - Medizinische Mikrobiologie und Hygiene, Zentrum für Infektiologie, Heidelberg, Deutschland
Tilman Walker - Zentrum für Orthopädie, Unfallchirurgie und Paraplegiologie, Heidelberg, Deutschland
Burkhard Lehner - Zentrum für Orthopädie, Unfallchirurgie und Paraplegiologie, Heidelberg, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Die perioperative Antibiotikaprophylaxe (PAP) stellt eine zentrale Maßnahme zur Prävention postoperativer Infektionen dar. Insbesondere in der Endoprothetik besitzt die Infektionsprävention eine herausragende Bedeutung aufgrund des Risikos der bakteriellen Biofilmbildung auf der Implantatoberfläche im Infektionsfall. Ziel dieser Arbeit war die Aufarbeitung der aktuellen Literatur zur PAP und darauf aufbauend die Erstellung einer evidenzbasierten, klinikinternen, interdisziplinären Standardarbeitsanweisung (SAA) für die Primär-, Revisions- und Tumorendoprothetik.

Material und Methoden: Es erfolgte eine umfassenden, wenn gleich nicht systematische, Literatur- und Leitlinienrecherche zur PAP. Im Mittelpunkt standen aktuelle, vorzugsweise prospektive oder randomisierte Studien, sowie Meta-Analysen aus hochrangigen, internationalen und „peer-reviewed“ Fachzeitschriften.

Ergebnisse: Unter Berücksichtigung des Wirkspektrums, des Nebenwirkungsprofils sowie der aktuellen Evidenzlage werden 2 g Cefazolin i.v. als Mittel der 1. Wahl für die PAP empfohlen. Eine gewichtsadaptierte Dosiserhöhung auf 3 g Cefazolin i.v. bei einem Körpergewicht über 120 kg wird in der Literatur kontrovers diskutiert. In allen Leitlinien wird übereinstimmend die Applikation der PAP als Einmalgabe unbedingt vor dem Hautschnitt empfohlen. Eine intraoperative Zweitgabe ist lediglich bei Überschreiten der doppelten Halbwertszeit des verwendeten Antibiotikums oder bei einem Blutverlust über 1–1,5 Liter empfohlen. Auch in der Revisionsendoprothetik soll die PAP-Gabe konsequent vor Hautschnitt verabreicht und nicht bis zur Abnahme von intraoperativen Proben gewartet werden. Unter Berücksichtigung der verfügbaren Evidenz und im Sinne einer Risiko-/Nutzenabwägung halten die Autoren dieser Arbeit eine Fortführung der PAP für die Dauer von bis zu 24 Stunden in der Revisions- und Tumorendoprothetik für gerechtfertigt. Eine darüberhinausgehende Antibiotikaprophylaxe besitzt keinen nachgewiesenen Nutzen, erhöht aber signifikant das Risiko für unerwünschte Nebenwirkungen. Bei Patienten mit nicht-schwerer Penicillin-Allergie wird der Einsatz von Cefazolin zur PAP ausdrücklich empfohlen. Bei Hinweisen auf eine schwere Penicillin-Allergie soll in Abhängigkeit von der lokalen Resistenzlage auf Clindamycin oder Vancomycin ausgewichen werden.

Diskussion und Schlussfolgerung: Die interdisziplinär erstellte SAA basiert auf den Empfehlungen der aktualisierten AWMF-S3 Leitlinie zu Substanzwahl, Dosierung und Zeitpunkt der Gabe der PAP, sowie zum differenzierten Vorgehen bei Vorliegen einer Penicillin-Allergie. Abweichend hiervon wird unter Berücksichtigung der verfügbaren Evidenz und der Empfehlungen internationaler Fachgremien eine verlängerte PAP für bis zu 24 Stunden in der Revisions- und Tumorendoprothetik empfohlen, um der besonderen Risikokonstellation bei diesen Eingriffen (erhöhtes Infektionsrisiko, potentiell schwerwiegende Folgen bei Auftreten einer Infektion) Rechnung zu tragen.