German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Evaluation des Einflusses antibiotikahaltiger PMMA-Zementspacer auf die Konsolidierung von Pseudarthrosen nach Masquelet Therapie
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Ziel der Studie war es, zu untersuchen, ob die Art des verwendeten antibiotikahaltigen Polymethylmethacrylat-(PMMA-)Zementspacers einen Einfluss auf die Konsolidierungsrate (CR) und die Konsolidierungszeit (CT) von Pseudarthrosen (PA) nach Anwendung der Masquelet-Technik (MT) hat. Sekundär wurde analysiert, ob Infektionsstatus, mikrobiologischer Keimnachweis sowie die anatomische Lokalisation CR und CT beeinflussen.
Material und Methoden: In diese monozentrische retrospektive Kohortenstudie wurden alle PatientInnen (Pat.), die zwischen 2010 und 2022 mittels MT behandelt wurden und ein regelmäßiges Follow-Up von mindestens 24 ± 2 Monaten durchliefen, eingeschlossen. Es wurden demographische Daten, Komorbiditäten, Nikotinabusus, Lokalisation der PA, Infektionsstatus, Art des PMMA-Zementspacers, Spacerverweildauer sowie CR nach 2 Jahren und CT erhoben. Eine Konsolidierung wurde bei einem Lane-Sandhu-Score ≥3 in Röntgen- oder CT-Aufnahmen angenommen. Die statistische Auswertung erfolgte mittels deskriptiver Statistik, Kaplan-Meier-Analyse und multivariater logistischer (CR) bzw. linearer Regression (CT). Signifikanzniveau: α < 0,05.
Ergebnisse: Insgesamt wurden 337 Pat. (60,2% männlich, 39,8% weiblich) mit einem Durchschnittsalter von 49,2 Jahren eingeschlossen. 23,7% waren Raucher, 10,7% litten an Diabetes mellitus und 49% wiesen eine Infekt-PA auf. In 96,7% der Fälle (n = 326) wurde antibiotikahaltiger Zement verwendet: 242 Pat. (71,8%) erhielten Gentamicin-haltigen Zement, 77 (22,8%) eine Kombination aus Gentamicin und Vancomycin. Die mittlere Spacerverweildauer betrug 10,9 Wochen. Die CR nach 2 Jahren lag bei 74,8% (n=252), die durchschnittliche CT bei 9,5 Monaten (Abbildung 1 [Abb. 1]). Infektion, Diabetes mellitus sowie eine Lokalisation im Femurschaft oder distalen Femur zeigten einen signifikanten negativen Einfluss auf CR, während Alter ≥60 Jahre, ASA ≥3, Geschlecht und Nikotinabusus keinen signifikanten Einfluss hatten (Tabelle 1 [Tab. 1]). Der Gentamicin-haltige Zement Palacos R+G war mit einer signifikant höheren CR assoziiert als der ebenfalls Gentamicin-haltige Refobacin Bone Cement (p=0,045). Zwischen den Gruppen Gentamicin und Gentamicin + Vancomycin zeigte sich kein signifikanter Unterschied (p=0,716).
Diskussion und Schlussfolgerung: Aufgrund des hohen Anteils infizierter PA und fehlender negativer Effekte in dieser Studie, sollten antibiotikahaltige PMMA-Zementspacer routinemäßig im Rahmen der MT eingesetzt werden. Vancomycin kann zusätzlich verwendet werden, da kein signifikanter Unterschied zur Monotherapie mit Gentamicin gezeigt wurde. Insbesondere bei entsprechendem Antibiogramm des nachgewiesenen Erregers sollten Antibiotikakombinationen von Gentamicin und Vancomycin großzügig ausgewählt werden. Bei verfügbarer Auswahl sollte Palacos R+G aufgrund der beobachteten höheren CR gegenüber Refobacin Bone Cement bevorzugt werden. PA des Femurschafts und des distalen Femurs stellen besondere Risikofaktoren für einen prolongierten Heilungsverlauf und ein schlechteres Outcome dar.





