German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Die fixierte hintere Schublade nach Ruptur des hinteren Kreuzbandes: Eine retrospektive Kohortenstudie
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Die fixierte hintere Instabilität nach hinterer Kreuzband- (HKB) -Ruptur stellt ein klinisch relevantes, jedoch bislang unzureichend untersuchtes Krankheitsbild dar. In der Literatur wird ihre Prävalenz mit bis zu 40% angegeben. Ziel der vorliegenden Studie war es, die Prävalenz der fixierten hinteren Instabilität im aktuellen Patientenkollektiv zu bestimmen und Unterschiede zwischen Patienten mit und ohne fixierter Instabilität zu analysieren.
Material und Methoden: In die vorliegende retrospektive monozentrische Kohortenstudie wurden alle Patienten (n=80) inkludiert, die zwischen Januar 2020 und Dezember 2023 aufgrund einer HKB-Ruptur vorstellig und behandelt wurden. Eine fixierte hintere Instabilität wurde definiert als Seit-zu-Seit-Unterschied (side-to-side- difference (SSD) > 3 mm in den gehaltenen Stressröntgenaufnahmen, bei denen die Tibia trotz anteriorer Stresskraft posterior subluxiert verblieb. Unterschiede zwischen Patienten mit und ohne fixierte hintere Instabilität wurden analysiert. Hierbei wurden die Chronizität der HKB-Ruptur (akut < 6 Wochen vs. chronisch > 6 Wochen), der SSD in standardisierten hinteren Stressröntgenaufnahmen, das isolierte Ausmaß der hinteren Instabilität in den Stressröntgenaufnahmen sowie der posteriore tibiale Slope (PTS in °) in seitlichen Röntgenaufnahmen des gesamten Unterschenkels untersucht. Ein p-Wert < 0,05 wurde als statistisch signifikant gewertet.
Ergebnisse: Zum Zeitpunkt der Abstracteinreichung lagen die Daten von 45 Patienten vor (Durchschnittsalter 45,3 ± 17 Jahre; 62% ♂ (n = 28), 38% ♀ (n = 17)). Insgesamt wurden 17 akute (38%) und 28 chronische (62%) HKB-Rupturen eingeschlossen. Bezogen auf das Gesamtkollektiv lag die Prävalenz einer fixierten hinteren Instabilität bei 20%. Eine fixierte hintere Instabilität wurde ausschließlich bei chronischen HKB-Rupturen nachgewiesen (9/28; 32 %), jedoch in keinem Fall bei akuter Ruptur (p=0,009). Das mittlere Ausmaß der fixierten hinteren Instabilität in den gehaltenen vorderen Röntgenstressaufnahmen betrug 4,7 ± 2 mm, verglichen mit 0,6 ± 1 mm bei nicht fixierter posteriorer Instabilität (p=0,001). Zwischen Patienten mit fixierter und nicht fixierter Instabilität zeigte sich kein signifikanter Unterschied hinsichtlich des SSD der posterioren tibialen Translation (7,4 ± 4 mm vs. 7,2 ± 4 mm; p=0,942) und dem isolierten Ausmaß der posterioren Instabilität (11,3 ± 3 mm vs. 10,7 ± 4 mm; p=0,519) in den gehaltenen Stressaufnahmen oder im PTS zwischen beiden Gruppen (7,3 ± 2° vs. 8,2 ± 1,9°; p=0,810).
Diskussion und Schlussfolgerung: Die Prävalenz der fixierten hinteren Instabilität zeigte sich im untersuchten Patientenkollektiv mit 20% deutlich geringer als sie bislang in der Literatur angenommenen wurde und wurde in diesem Kollektiv nur bei chronischen HKB-Rupturen nachgewiesen. Weder das Ausmaß der posterioren tibialen Translation noch der PTS hatten in diesem Kollektiv einen signifikanten Einfluss auf das Auftreten einer fixierten posterioren Instabilität.



