German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Oberflächenbasierte Präzisionsanalyse individueller Beckenteilersätze: Eine neue Methode zur Kontrolle der postoperativen Lage
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Der individuelle Beckenteilersatz stellt eine etablierte Lösung bei hochgradigen acetabulären Knochendefekten (Paprosky IIIA, IIIB, IV) in der Revisionsendoprothetik dar. Ziel der Operation ist die prāzise Umsetzung der präoperativen Planung. Hierbei werden zunehmend technische Hilfsmittel wie patientenspezifische Instrumente oder intraoperative Navigation verwendet. Postoperativ erfolgt in der Regel eine CT-basierte Lagekontrolle. Ein direkter und anschaulicher Vergleich zwischen präoperativer Planung und postoperativer Schnittbildgebung ist jedoch herausfordernd. Konventionelle CT-basierte Lagekontrollen ermöglichen keinen intuitiven Vergleich zwischen präoperativen Planung und tatsächlicher Implantatlage [1]. Für die systematische Qualitätskontrolle und Analyse von Fehlerquellen ist eine Methode erforderlich, die sowohl statistische Auswertbarkeit als auch unmittelbare visuelle Erfassbarkeit gewährleistet. Zielsetzung: Entwicklung und Validierung einer oberflächenabweichungsbasierten Methode zur postoperativen Präzisionsanalyse individueller Beckenteilersätze mit quantitativer Fehlererfassung und intuitiver Heatmap- Visualisierung.
Material und Methoden: Zur Entwlicklung der Methode wurden zunächst drei konsekutive Fälle mit individuellen Beckenteilersätzen analysiert. Präoperative Planungsdaten (standard tesselation language-Format) wurden mit postoperativen CT-Datensätzen verglichen. In der postoperativen CT-Bildgebung erfolgte die schwellenwertbasierte Segmentierung der Implantate sowie die semi-automatische Segmentierung der ipsilateralen Ala ossis ilii als anatomische Referenzstruktur (Elements, Brainlab, Deutschland). Nach initialer Vorausrichtung erfolgte die Registrierung der prä- und postoperativen Datensätze mittels lokalem Best-Fit-Algorithmus anhand der Beckenschaufel. Die Oberflächenabweichungsanalyse zwischen Planung und realer Implantatlage erfolgte unter Ausschluss von Schrauben und innerem Pfannenanteil (Inspect 3D, Zeiss). Die explorative Datenanalyse erfolgte mittels SPSS (IBM, USA).
Ergebnisse: Die mittlere Oberflächenabweichung zwischen Planung und realer Implantatlage betrug über alle drei Fälle 0,7 mm bei einer gepoolten Standardabweichung von 3,2 mm. Abweichungs-Heatmaps ermöglichten die unmittelbare visuelle Identifikation von Positionsabweichungen und die Erkennung systematischer Fehlermuster.
Diskussion und Schlussfolgerung: Die vorgestellte Methode ermöglicht sowohl eine statistisch auswertbare Fehlerquantifizierung als auch eine intuitive visuelle Darstellung der Abweichung zwischen Planung und realer Implantatlage. Sie stellt damit ein wertvolles Feedbackinstrument für Operateure dar und erlaubt die systematische Untersuchung von Fehlerquellen bei der Implantation individueller Beckenteilersätze. Somit kann sie zur Weiterentwicklung operativer Techniken bei der Rekonstruktion höhergradiger acetabulärer Defekte beitragen.



