German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Dichteorientierte S1-Korridorplanung mit Transfer von 3D-CT in 2D-Fluoroskopie: Sichere Implantatplatzierung bei posteriorer Beckenringinstabilität – Proof of Concept bei 137 Implantationen
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Die perkutane iliosakrale Verschraubung ist Standardverfahren zur Stabilisierung des posterioren Beckenrings. Bei osteoporotischen Fragilitätsfrakturen ist die konventionelle transversale S1-Trajektorie jedoch mit Lockerungsraten bis zu 30% assoziiert; zusätzlich erhöht sakrale Dysmorphie das Risiko neurovaskulärer Komplikationen. Ziel dieser Studie war die Beschreibung und Evaluation einer modifizierten, dichteorientierten S1-Trajektorie mit präoperativer 3D-Planung und intraoperativem Transfer in die 2D-Fluoroskopie.
Material und Methoden: Retrospektive Analyse einer konsekutiven Serie von 71 Patient:innen mit posteriorer Beckenringinstabilität (02/2021–11/2025). Insgesamt wurden 137 Implantate über einen modifizierten S1-Korridor implantiert (13 kanülierte Schrauben; 72 dreidimensional gedruckte dreieckige Titan-SI-Fusionsimplantate; 52 gewindetragende Titan-Fusionsimplantate). Die präoperative CT-Multiplanarrekonstruktion definierte einen posterior-kaudalen iliakalen Eintrittspunkt mit kranio-ventraler Ausrichtung in das Promontorium des S1-Wirbelkörpers unter Berücksichtigung der regionalen Knochendichte. Intraoperativ erfolgte der Transfer der 3D-Planung in die 2D-Fluoroskopie (lateral, inlet, outlet, a.-p.). Primärer Endpunkt war die radiologische Lagegenauigkeit; sekundäre Endpunkte waren Komplikationen, Revisionsrate und klinische Sicherheit.
Ergebnisse: In allen 137 Fällen konnte die präoperativ geplante Trajektorie reproduziert werden. Die modifizierte Ausrichtung ermöglichte eine konsequente Verankerung im kranialen S1-Wirbelkörper unter Umgehung des „alar void“. Postoperative 3D-Bildgebung bestätigte eine vollständige intraossäre Lage sämtlicher Implantate ohne Foramen- oder Kortikalisverletzung. Es traten keine iatrogenen Nerven- oder Gefäßverletzungen auf; Revisionsoperationen aufgrund von Fehllage waren nicht erforderlich. Im Follow-up (12 ± 9 Monate) zeigten sich keine implantatassoziierten Lockerungen bei Fragilitätsfrakturen.
Diskussion und Schlussfolgerung: Die Kombination aus dichtebasierter 3D-CT-Planung und standardisierter 2D-Fluoroskopie erlaubt eine präzise und sichere Implantation über einen modifizierten, kranio-ventral gerichteten S1-Korridor – auch bei sakraler Dysmorphie. Die Technik ermöglicht die Nutzung höherer Knochendichte im Promontorium und stellt eine praktikable Alternative zur konventionellen transversalen Schraubenplatzierung dar, insbesondere bei osteoporotischen Fragilitätsfrakturen. Navigationssysteme sind hierfür nicht zwingend erforderlich.



