German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Sportliche Aktivität ist ein stärkerer Prädiktor für das Ein-Jahres-Outcome nach Ellenbogenluxation als die initiale Verletzungsschwere
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Zielsetzung und Fragestellung: Ellenbogenluxation (EL) können simple, komplexe bis hoch-komplexe Verletzungsmuster haben. Bei simplen EL und stabilen Verhältnissen ist eine konservative Behandlung meist ausreichend. Operative Rekonstruktionen variieren je nach Komplexität der Verletzung. Ziel dieser Studie ist es, Behandlungsansätze je nach Verletzungskomplexität und unter Berücksichtigung individueller Faktoren zu bewerten.
Material und Methoden: Einschlusskriterien der prospektiven bi-zentrischen Studie sind Patienten zwischen 18 und 80 Jahren mit einer akuten EL. Es erfolgen klinische Untersuchungen, die Erhebung von Patient-reported outcome measures (PROMs) (ASES, DASH, MEPS, PREE, OES und EQ-5D-5L) und radiologische Untersuchungen (Röntgen, CT, MRT). Nach konservativer oder operativer Therapie sind Follow-up Zeiten für 6 Wochen (6W), 3, 6, 12 und 24 Monate (xM) angesetzt. Zudem wurde das individuelle Sportniveau bewertet und in „kein Sport“ (n=9), „Sport mit geringer Armbeteiligung“ (n=11) und „Sport mit starker Armbeteiligung“ (n=8) definiert.
Ergebnisse: Initial konnten 33 Patienten (44,4±18,4Jahre) mit einer EL (männlich n=18, weiblich n=15) rekrutiert werden und zum Zeitpunkt der 1-Jahres-Nachkontrolle (1J) waren 28 Patienten in der Studie. Haupttraumata waren Stolperstürze (30,7%), Höhenstürzen (21,2%) und Fahrradunfälle (21,2%). In 80% handelt es sich um Freizeitunfälle. 23 Patienten wurden operativ und 10 konservativ versorgt. Eine Einteilung des Verletzungsmusters erfolgte von simpel bis hoch komplex in drei Kategorien: Simple EL (54,4%) nur mit Bandläsionen, komplexe EL (27,3%) mit einer Fraktur und Bandläsionen und hochkomplexe EL (18,8%) mit multiplen Frakturen und Bandläsionen.In unserer Patientenkohorte (n = 28) zeigte die Verletzungskomplexität nach 12M (ρ=0,29, t=1,57, p>0,05) keine signifikante Korrelation mit dem Bewegungsumfang (ROM). Auch zu den PROMs bestand kein signifikanter Zusammenhang (1J: ρ=0,37, t=0,98, p>0,05). Dagegen zeigte sich eine starke signifikante Korrelation von Sportlichkeit und ROM (1J: ρ=0,75, t=5,8, p<0,05) sowie zwischen Sportlichkeit und PROMs (1J: ρ=0,79, t=6,3, p<0,05). Zwischen Verletzungskomplexität und Sportlichkeit bestand ein moderater Zusammenhang (ρ=0,4, t=2,19, p<0,05).
Diskussion und Schlussfolgerung: Die Komplexität des Verletzungsmusters korrelierte nicht nach 12M mit Beweglichkeit oder PROMs. Im Gegensatz dazu zeigte das Sportniveau der Patienten eine starke Korrelation mit ROM und PROMs. Insgesamt scheint weniger die initiale Verletzungskomplexität als vielmehr das Aktivitätsniveau den funktionellen Verlauf zu bestimmen. Trotz der unterschiedlichen Verteilung der Verletzungsschwere zwischen den Sportlichkeitsgruppen und der moderaten Korrelation mit der Sportlichkeit bestand kein signifikanter Zusammenhang zwischen Verletzungsschwere und Beweglichkeit. Folglich ist der beobachtete Zusammenhang zwischen Sportlichkeit und Beweglichkeit unabhängig von der Verletzungsschwere.



