Logo

German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Vorhersagekraft der Clincal Frailty Scale auf das Outcome bei Patienten mit proximaler Femrufraktur – eine Auswertung aus dem Alterstraumaregister

Tom Knauf - Helios Kliniken Kassel, Kassel, Deutschland; Philipps-Universität Marburg, Marburg, Deutschland
Benjamin Bücking - Helios Kliniken Kassel, Kassel, Deutschland; Philipps-Universität Marburg, Marburg, Deutschland
Vanessa Ketter - Helios Kliniken Kassel, Kassel, Deutschland; Philipps-Universität Marburg, Marburg, Deutschland
Susanne Riedel - M&I Klinik Bad Liebenstein, Bad Liebenstein, Deutschland
Hannah Schmidt - Akademie der Unfallchirurgie, München, Deutschland
Carsten Schöneberg - Alfried Krupp Krankenhaus Rüttenscheid, Essen, Deutschland
Daphne Eschbach - Helios Kliniken Kassel, Kassel, Deutschland; Philipps-Universität Marburg, Marburg, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Gebrechlichkeit ist ein weit verbreitetes klinisches Syndrom, dass durch eine Beeinträchtigung der physiologischen Reserven, beeinträchtigte Kognition und eine erhöhte Prädisposition für ungünstige gesundheitliche Folgen gekennzeichnet ist. Die Clinical Frailty Scale (CFS) ist mittlerweile ein etabliertes Screening-Tool zur Vorhersage der Gebrechlichkeit, auch bei Patienten mit hüftgelenksnahen Frakturen. In diesem Zusammenhang wurde bis dato insbesondere die Vorhersagekraft der CFS auf die Mortalität, die Verweildauer und die Rückkehr in die häusliche Umgebung nachgewiesen. In dieser Auswertung aus dem Alterstraumaregister, möchten wir ergänzend die Vorhersagekraft auf weitere Outcomeparameter, wie die Mobilisation postoperativ, den EQ5D, chirurgische und nicht-chirurgische Komplikationen hin untersuchen.

Material und Methoden: Insgesamt lagen von 29.347 Patienten aus 170 Alterstraumazentren Daten bzgl. der CFS vor. Diese Auswertung beschränkt sich auf die Jahre 2022–2024. Eingeschlossen in das AltersTraumaRegister werden Patienten ≥70 Jahre, die operativ auf Grund einer proximalen oder periprothetischen/periimplantären Femurfraktur versorgt wurden. Neben den Baselinecharakteristika werteten wir behandlungsrelevante Daten für den Behandlungsverlauf und das Outcome aus.

Ergebnisse: 57% (n=16.584) Patienten wiesen einen CFS ≥ 5 auf und galten somit als frail. Im Vergleich zu Patienten, die nicht als frail eingeschätzt wurden zeigte sich bei frail einschätzten Patienten ein höherer ASA-Score, schlechtere Gehfähigkeit (selbstständig gehfähig (17% vs. 59%), häufigere Heimunterbringung (30% vs. 5%), erhöhte Rate an Delir bei Aufnahme (32% vs. 10%). Auch im Outcome während des stationären Aufenthaltes zeigte sich bei Patienten mit positivem CFS eine verminderte Gehfähigkeit (70% vs. 89%), erhöhte Rate an nicht chirurgischen Komplikationen (47% vs. 35%), vergleichbare Rate an Revisionsoperationen (3%), vermehrte Entlassung in ein Heim (39% vs. 14%), ein verminderter EQ5D (0,42 vs. 0,69), kürzere Verweildauer (15 vs. 16 Tage) und eine erhöhte Mortalität (8% vs. 3%). Auch im 120 Tage Follow-up stellt sich dies ähnlich dar.

Diskussion und Schlussfolgerung: Mit 57% wird über die Hälfte der Patienten mit hüftgelenksnahen Frakturen als Frail eingeschätzt. Die CFS eignet sich hierbei Patienten, welche gebrechlich sind, einfach zu identifizieren. Wir konnten nachweisen, dass Patienten mit einer CFS ≥5 ein erhöhtes Risiko für nicht chirurgische Komplikationen, schlechtere Mobilität nach 7 Tagen und einen verminderten EQ5D aufweisen. Zudem konnten wir die bereits in der Literatur beschriebene Vorhersagekraft auf den Ort der Entlassung und die Mortalität bestätigen. Diese Unterschiede persistieren auch im 120 Tage Follow-up. Insbesondere die Mortalität weist mit 15% vs. 5% ein deutlich erhöhtes Risiko auf. In den ersten 120 Tage nach hüftgelenksnaher Fraktur weisen Patienten mit einer CFS ≥5 ein nahezu doppelt so hohes Risiko für eine contralaterale Femurfraktur auf (1,2% vs. 0.7%).