German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Beeinflusst der Zeitpunkt dokumentierter Therapiebegrenzung die intrahospitale Mortalität nach proximaler Femurfraktur?
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Besteht ein unabhängiger Zusammenhang zwischen dokumentierter Therapiebegrenzung (Do-Not-Resuscitate/Do-Not-Intubate, DNR/DNI) und intrahospitaler Mortalität nach proximaler Femurfraktur, und inwieweit beeinflusst der Zeitpunkt der Dokumentation die Attribution frakturbedingter Mortalität?
Material und Methoden: Es wurde eine retrospektive beobachtende Kohortenstudie konsekutiver Patientinnen und Patienten mit proximaler Femurfraktur durchgeführt, die im Zeitraum 2022–2025 behandelt wurden. Therapiebegrenzung wurde als dokumentierte DNR/DNI-Anordnung definiert und nach Zeitpunkt kategorisiert: vor Aufnahme, bei Aufnahme oder während des stationären Verlaufs. Früh dokumentierte Therapiebegrenzung umfasste vor- bzw. bei Aufnahme festgelegte Entscheidungen, spät dokumentierte Therapiebegrenzung solche während des Krankenhausaufenthalts. Primärer Endpunkt war die intrahospitale Mortalität. Multivariable logistische Regressionsmodelle wurden unter Adjustierung für Alter, Geschlecht und ASA-Klassifikation berechnet. Zur Reduktion von Reverse-Causality-Bias wurden zeitpunktfokussierte Modelle mit Ausschluss spät dokumentierter Therapiebegrenzungen durchgeführt. Bei geringer Ereigniszahl kam penalisiertes (Firth-)Logit-Modelling zur Anwendung.
Ergebnisse: Insgesamt wurden 944 Patientinnen und Patienten eingeschlossen. Die intrahospitale Mortalität betrug 5,6%. Patientinnen und Patienten mit dokumentierter Therapiebegrenzung wiesen eine deutlich höhere Mortalität auf als solche ohne Therapiebegrenzung (15,0% vs. 2,6%; p < 0,001). Die Mortalität nahm stufenweise mit späterem Zeitpunkt der Therapiebegrenzung zu und war bei spät dokumentierter Therapiebegrenzung am höchsten (25,4%). In der Gesamtkohorte war Therapiebegrenzung unabhängig mit intrahospitaler Mortalität assoziiert (adjustierte OR 5,1; 95%-KI 2,8–9,7). Nach Ausschluss spät dokumentierter Therapiebegrenzungen bestand für früh dokumentierte Therapiebegrenzung kein unabhängiger Zusammenhang mehr mit Mortalität nach Adjustierung für Alter und ASA (adjustierte OR 1,6; 95%-KI 0,6–3,9). Geriatrische Vulnerabilitätsmarker zeigten nach Risikoadjustierung keine unabhängige Assoziation.
Diskussion und Schlussfolgerung: Der Zusammenhang zwischen Therapiebegrenzung und intrahospitaler Mortalität nach proximaler Femurfraktur ist wesentlich zeitabhängig. Die erhöhte Mortalität ist überwiegend auf während klinischer Verschlechterung dokumentierte Therapiebegrenzungen zurückzuführen und nicht auf vorbestehende Behandlungsziele. Die Nichtberücksichtigung des Dokumentationszeitpunkts führt zu einer systematischen Überschätzung frakturbedingter Mortalität und kann die Interpretation von Qualitätsindikatoren in der Alterstraumatologie verzerren.



