German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Prähabilitation vor primärem Kniegelenkersatz bei Patienten mit Frailty-Syndrom – multizentrische, randomisierte, kontrollierte Untersuchung mit 1-Jahres-Follow-up
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Das Frailty-Syndrom kann zu einer erhöhten postoperativen Morbidität und Mortalität führen (1). Prähabilitative Maßnahmen zeigten bei nicht-frailen Knietotalendoprothetik-Patienten (KTEP) eine verbesserte Funktion und Muskelkraft (2). Für die besonders vulnerable Patientenpopulation mit Frailty-Syndrom, bei der eine KTEP implantiert wird, liegen keine Daten aus randomisierten kontrollierten Studien vor. Daher ist das Ziel unserer Untersuchung den Einfluss der Prähabilitation auf das postoperative Ergebnis bei KTEP- Patienten mit Frailty-Syndrom zu evaluieren.
Material und Methoden: Eine multizentrische randomisierte, kontrollierte Studie (RCT) zur Evaluation der Prähabilitation bei chirurgischen Patienten mit Frailty-Syndrom wurde im Rahmen einer multidisziplinären RCT, unter Koordination der Anästhesiologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin, durchgeführt. Die hier analysierte Kohorte inkludierte primäre KTEP-Patienten an 5 Studienzentren. Frailty wird anhand der von Fried et al. definierten Kriterien bestimmt (3). Die Patienten im Interventionsstudienarm absolvierten präoperativ ein dreiwöchiges Prähabilitationsprogramm. Es erfolgten Nachuntersuchungen nach drei (3M-FU) und 12 Monaten (12M-FU) postoperativ. Das von den Patienten-berichtete-Ergebnis (Knee Injury and Osteoarthritis Outcome Score (KOOS)) wurde als primärer Endpunkt am 12M-FU definiert. Sekundäre Endpunkte sind EQ-5DL-5L, ABC-6 (Sturzangst), IADL (Aktivitäten des täglichen Lebens). Timed-up&Go-Test, 2-Minutes-Step-Test, Treppensteigegeschwindigkeit, Gehgeschwindigkeit, Belastungssymmetrie und postoperative Komplikationen.
Ergebnisse: Es wurden N=77 Patienten eingeschlossen und randomisiert (n=38 Intervention, N=39 Kontrolle). Am 12M-FU wurden 57 Patienten analysiert (FU-Rate 74%; n=29 Intervention; 76,6 ±5,7 Jahre, Spanne: 70–88J. BMI 30,0 kg/m2; N=28 Kontrolle: 75,9 ±4,3 Jahre, Spanne 70–84J, BMI 29,3 kg/m2). Am primären Endpunkt am 12M-FU wurden keine signifikant besseren Werte in den KOOS-Subskalen (Symptome, Schmerzen, Aktivitäten des täglichen Lebens, Sport, Lebensqualität) in der Interventions- im Vergleich zur Kontrollgruppe festgestellt. Es zeigten sich keine signifikant besseren Werte der sekundären Endpunkte in der Interventions-, im Vergleich zur Kontrollgruppe am 12M-FU. In beiden Gruppen kam es zu signifikanten Verbesserungen aller KOOS-Subskalen von Baseline zum 12M-FU. Diese postoperativen Verbesserungen erreichten in beiden Gruppen das Niveau „substantial clinical benefit“ (4).
Diskussion und Schlussfolgerung: Dies ist die erste und größte uns bekannte multizentrische RCT mit einem 12M-FU die eine Prähabilitationsmaßnahme in der primären Knieendoprothetik bei Frailty-Patienten evaluiert. Die Studie konnte keine signifikante Verbesserung der KOOS-Subskalen am 12M-FU nach dreiwöchiger Prähabilitation zeigen. Die signifikante Verbesserung aller KOOS-Subskalen in der Interventions- und der Kontrollgruppe unterstreicht die positiven Effekte der Knieendoprothetik auch bei Frailty-Patienten.



