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Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Prähabilitation vor primärem Kniegelenkersatz bei Patienten mit Frailty-Syndrom – multizentrische, randomisierte, kontrollierte Untersuchung mit 1-Jahres-Follow-up

Henryk Haffer - Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland
Luis Becker - Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland
Alison Agres - Julius Wolff Institut, Berlin Institute of Health, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland
Sónia Alves - Julius Wolff Institut, Berlin Institute of Health, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland
Clemens Gwinner - Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland
Georg Duda - Julius Wolff Institut, Berlin Institute of Health, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland
Katrin Schmidt - Klinik für Anästhesiologie m.S. operative Intensivmedizin (CVK, CCM), Charité – Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland
Jörn Kiselev - Hochschule Fulda University of Applied Sciences, Department of Health Sciences, Fulda, Berlin, Deutschland
Stefan Schaller - Klinische Abteilung für Allgemeine Anästhesie und Intensivmedizin, Medizinische Universität Wien, Wien, Österreich
Carsten Perka - Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland
Claudia Spies - Klinik für Anästhesiologie m.S. operative Intensivmedizin (CVK, CCM), Charité – Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland
Tobias Winkler - Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Das Frailty-Syndrom kann zu einer erhöhten postoperativen Morbidität und Mortalität führen (1). Prähabilitative Maßnahmen zeigten bei nicht-frailen Knietotalendoprothetik-Patienten (KTEP) eine verbesserte Funktion und Muskelkraft (2). Für die besonders vulnerable Patientenpopulation mit Frailty-Syndrom, bei der eine KTEP implantiert wird, liegen keine Daten aus randomisierten kontrollierten Studien vor. Daher ist das Ziel unserer Untersuchung den Einfluss der Prähabilitation auf das postoperative Ergebnis bei KTEP- Patienten mit Frailty-Syndrom zu evaluieren.

Material und Methoden: Eine multizentrische randomisierte, kontrollierte Studie (RCT) zur Evaluation der Prähabilitation bei chirurgischen Patienten mit Frailty-Syndrom wurde im Rahmen einer multidisziplinären RCT, unter Koordination der Anästhesiologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin, durchgeführt. Die hier analysierte Kohorte inkludierte primäre KTEP-Patienten an 5 Studienzentren. Frailty wird anhand der von Fried et al. definierten Kriterien bestimmt (3). Die Patienten im Interventionsstudienarm absolvierten präoperativ ein dreiwöchiges Prähabilitationsprogramm. Es erfolgten Nachuntersuchungen nach drei (3M-FU) und 12 Monaten (12M-FU) postoperativ. Das von den Patienten-berichtete-Ergebnis (Knee Injury and Osteoarthritis Outcome Score (KOOS)) wurde als primärer Endpunkt am 12M-FU definiert. Sekundäre Endpunkte sind EQ-5DL-5L, ABC-6 (Sturzangst), IADL (Aktivitäten des täglichen Lebens). Timed-up&Go-Test, 2-Minutes-Step-Test, Treppensteigegeschwindigkeit, Gehgeschwindigkeit, Belastungssymmetrie und postoperative Komplikationen.

Ergebnisse: Es wurden N=77 Patienten eingeschlossen und randomisiert (n=38 Intervention, N=39 Kontrolle). Am 12M-FU wurden 57 Patienten analysiert (FU-Rate 74%; n=29 Intervention; 76,6 ±5,7 Jahre, Spanne: 70–88J. BMI 30,0 kg/m2; N=28 Kontrolle: 75,9 ±4,3 Jahre, Spanne 70–84J, BMI 29,3 kg/m2). Am primären Endpunkt am 12M-FU wurden keine signifikant besseren Werte in den KOOS-Subskalen (Symptome, Schmerzen, Aktivitäten des täglichen Lebens, Sport, Lebensqualität) in der Interventions- im Vergleich zur Kontrollgruppe festgestellt. Es zeigten sich keine signifikant besseren Werte der sekundären Endpunkte in der Interventions-, im Vergleich zur Kontrollgruppe am 12M-FU. In beiden Gruppen kam es zu signifikanten Verbesserungen aller KOOS-Subskalen von Baseline zum 12M-FU. Diese postoperativen Verbesserungen erreichten in beiden Gruppen das Niveau „substantial clinical benefit“ (4).

Diskussion und Schlussfolgerung: Dies ist die erste und größte uns bekannte multizentrische RCT mit einem 12M-FU die eine Prähabilitationsmaßnahme in der primären Knieendoprothetik bei Frailty-Patienten evaluiert. Die Studie konnte keine signifikante Verbesserung der KOOS-Subskalen am 12M-FU nach dreiwöchiger Prähabilitation zeigen. Die signifikante Verbesserung aller KOOS-Subskalen in der Interventions- und der Kontrollgruppe unterstreicht die positiven Effekte der Knieendoprothetik auch bei Frailty-Patienten.