Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Einfluss des Alters auf Therapieentscheidung und Krankenhausverweildauer bei osteoporotischen thorakolumbalen Frakturen – prospektive Kohortenstudie
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Die Therapie osteoporotischer thorakolumbaler Frakturen (OVF) im höheren Lebensalter stellt eine klinische Herausforderung dar. Die AO Spine–DGOU Osteoporotic Fracture (OF)-Klassifikation und der OF-Score unterstützen die Therapieentscheidung, berücksichtigen das chronologische Alter jedoch nicht explizit. Ziel dieser Studie war es, den Einfluss des Alters auf die Therapieentscheidung sowie auf die Krankenhausverweildauer (length of stay, LOS) bei Patientinnen und Patienten ≥65 Jahren zu untersuchen.
Material und Methoden: Prospektive monozentrische Kohortenstudie (06/2023–12/2024) mit konsekutiv eingeschlossenen Patientinnen und Patienten ≥65 Jahren mit niedrigenergetischen thorakalen oder lumbalen OVF. Die Frakturen wurden nach der OF-Klassifikation (OF 1–5) eingeteilt. Die Therapieentscheidung (konservativ vs. operativ) erfolgte durch ein interdisziplinäres Wirbelsäulenteam auf Basis klinischer und radiologischer Kriterien unter Berücksichtigung der OF-Klassifikation. Erfasst wurden Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index, Charlson Comorbidity Index (CCI), prätraumatische Mobilität, neurologisches Defizit, Frakturmorphologie und LOS. Prädiktoren der operativen Therapie wurden mittels multivariabler logistischer Regression analysiert (Odds Ratio, OR, 95%-Konfidenzintervall, KI). Determinanten der LOS wurden mittels linearer Regression der log-transformierten LOS untersucht (exp(β) als relatives Maß). Eine Interaktionsanalyse (Altersgruppe 65–79 vs. ≥80 Jahre × Therapie) prüfte altersabhängige Effekte. Evidenzgrad: C (prospektive, nicht randomisierte Kohortenstudie).
Ergebnisse: 171 Patientinnen und Patienten wurden eingeschlossen. In der multivariablen Analyse waren höhere OF-Grade mit einer operativen Therapie assoziiert (OF 3: OR 11,0; 95%-KI 2,5–48,8; OF 4–5: OR 29,7; 95%-KI 6,8–129,6). Neurologische Defizite erhöhten die Wahrscheinlichkeit einer Operation (OR 15,0; 95%-KI 2,7–83,4). Höheres Alter war unabhängig mit einer geringeren Operationswahrscheinlichkeit assoziiert (OR 0,85 pro Lebensjahr; 95%-KI 0,79–0,91). Bei OF-4-Frakturen wurden 82,8% der 65–79-Jährigen und 43,2% der ≥80-Jährigen operativ versorgt (p=0,002). Die mediane LOS betrug 17,5 Tage nach operativer und 7,0 Tage nach konservativer Therapie (p<0,001). Höherer OF-Grad, eingeschränkte prätraumatische Mobilität, höherer CCI und neurologisches Defizit waren mit einer verlängerten LOS assoziiert. Die operative Therapie verlängerte die LOS in beiden Altersgruppen in vergleichbarem Ausmaß (Interaktion Alter × Therapie nicht signifikant, p=0,43).
Diskussion und Schlussfolgerung: Das Alter war ein unabhängiger Prädiktor der Therapieentscheidung, insbesondere bei OF-4-Frakturen. Die verlängerte Krankenhausverweildauer nach operativer Therapie war altersunabhängig und spiegelt primär Unterschiede in der Therapieentscheidung wider. Die Ergebnisse sprechen dafür, alters- und frailtybezogene Parameter in OF-basierte Entscheidungsmodelle zu integrieren.



