42. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie (DGPP)
42. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie (DGPP)
Non-selektive laryngeale Reinnervation als Salvage-OP nach Laryngoplastik – ein Fallbericht
Abstract
Hintergrund: Bei einer einseitigen Schädigung des Nervus laryngeus inferior kann die spontane Reinnervation zu Fehlinnervationen mit Synkinesien führen. Die resultierenden antagonistischen Stimmlippenbewegungen (Adduktion bei Inspiration sowie Abduktion bei Phonation) können deutliche Funktionseinschränkungen wie Dyspnoe und Dysphonie verursachen. Die Bewegungen sind meist sehr klein und treten inkonsistent auf. Die laryngostroboskopische Untersuchung kann daher einen vollständigen Glottisschluß bei Phonation sowie eine ausreichende Öffnung unter Respiration zeigen.
Material und Methode: Ein Patient, 51 Jahre, mit einseitiger Stimmlippenlähmung nach Explantation eines Vagusstimulators stellte sich zunächst mit Aphonie und Dysphagie mit Verschlucken am eigenen Speichel und situativ auftretendem starkem Hustenreiz in unserer Klinik vor.
Ergebnisse: Ende 2018 erfolgte zunächst eine linksseitige Medialisierungsthyroplastik mit autologem Knorpel sowie eine Arytenoidrotation. Bei persistierender Schlußinsuffzienz und Aphonie wurde ein halbes Jahr später eine Re-Thyroplastik mittels Keramik-Implantat (VoCOM) links durchgeführt. Anschließend war die Stimme deutlich belastbarer und leistungsfähiger, allerdings gab der Patient nun wiederholte Atemnotsituationen an. Daraufhin erfolgte die Implantatexplantation im Sommer 2021. Bei im Verlauf erneut unzureichender Stimmleistung erfolgte 2022 eine Injektionsglottoplastik mit permanentem Filler (Polyacrylamid-Hydrogel).
Bei einer Wiedervorstellung Ende 2025 berichtete der Patient über eine im Alltag ausreichende Stimmfunktion bei weiterhin bestehenden Atemnotanfällen mit dauerhaft limitierter körperlicher Belastbarkeit.
Daher erfolgte im Februar 2026 die operative Durchtrennung des Nervus laryngeus inferior links mit Re-Anastomosierung mittels Ansa-cervicalis-Anteilen. Bereits zwei Wochen nach Operation gab der Patient eine deutlich verbesserte körperliche Belastbarkeit sowie eine klangvollere und weniger angestrengte Stimme an.
Schlussfolgerung: Die non-selektive laryngeale Reinnervierung mit Durchtrennung des Nervus laryngeus inferior beseitigt Fehlinnervationen, welche auch bei laryngoskopisch zufriedenstellenden Befunden zu starken funktionellen Einschränkungen führen können. Der Eingriff hat ein geringes Risikoprofil und kann die Lebensqualität von Betroffenen mit kombinierten funktionellen Defiziten bei einseitiger Stimmlippenlähmung nachhaltig verbessern.
Text
Einleitung
Bei einer einseitigen Schädigung des Nervus laryngeus inferior kann die spontane Reinnervation zu Fehlinnervationen sowohl vom Abduktor der Stimmlippe (Musculus cricoarytenoideus posterior) durch adduktorische aktive Nervenfasern als auch von Adduktoren (Musculus cricoarytenoideus lateralis, Musculus thyroarytenoideus und Musculi interarytenoidei) durch abduktorisch aktive Nervenfasern führen.
Dadurch ausgelöste antagonistische Stimmlippenbewegungen (synkinetische Adduktion bei Inspiration sowie synkinetische Abduktion bei Phonation) können deutliche Funktionseinschränkungen wie Dyspnoe oder Dysphonie verursachen.
Die Bewegungen sind meist sehr klein und können auch inkonsistent bzw. anfallsartig auftreten. Die laryngostroboskopische Untersuchung ist deshalb oft nicht aussagekräftig.
Die Folge sind Konstellationen mit anamnestischer Dysphonie bei gleichzeitig endoskopisch vollständigem Glottisschluss während der Phonation oder Dyspnoe bei eigentlich ausreichend weiter Kehlkopf-Öffnung während der Respiration.
Erfahrungsgemäß werden dann nicht selten funktionelle oder psychogene Beschwerden diagnostiziert. Die daraus folgenden Therapieansätze sind jedoch kaum wirksam.
Methodik
Ein 51 Jahre alter Mann mit einseitiger Stimmlippenlähmung nach Explantation eines Vagusstimulators stellte sich zunächst mit Aphonie und Dysphagie mit Verschlucken am eigenen Speichel und situativ auftretendem starkem Hustenreiz in unserer Klinik vor.
Ende 2018 erfolgte zunächst eine linksseitige Medialisierungslaryngoplastik mit autologem Knorpel sowie eine Arytenoidrotation. Bei persistierender Schlussinsuffzienz und Aphonie wurde ein halbes Jahr später eine Re-Thyroplastik mittels Keramik-Implantat (VoCOM) links durchgeführt. Anschließend war die Stimme etwas kräftig. Zur weiteren Verbesserung erfolgte im Juli 2019 eine Injektion mit resorbierbarem Filler in beide Stimmlippen. Die Stimmfunktion war anschl. deutlich belastbarer und leistungsfähiger, allerdings gab der Patient nun wiederholte Atemnotsituationen an. Daraufhin erfolgte die Explantation des medialisierenden Keramikimplantats im Sommer 2021. Bei im Verlauf erneut unzureichender Stimmleistung erfolgte 2022 eine Injektionsglottoplastik mit permanentem Filler (Polyacrylamid-Hydrogel). Hiervon profitierte der Patient zunächst anhaltend.
Bei einer Wiedervorstellung drei Jahre später, Ende 2025 berichtete der Patient über eine im Alltag ausreichende Stimmfunktion bei weiterhin bestehenden Atemnotanfällen bis zur Bewusstlosigkeit mit dauerhaft limitierter körperlicher Belastbarkeit.
Daher erfolgte im Januar 2026 die operative Durchtrennung des Nervus laryngeus inferior links mit Re-Anastomosierung mittels Ansa-cervicalis-Anteilen.
Tabelle 1 [Tab. 1]
Tabelle 1: Tabellarische Chronologie 
Ergebnisse
Bereits zwei Wochen nach Operation gab der Patient eine deutlich verbesserte körperliche Belastbarkeit sowie eine klangvollere und weniger angestrengte Stimme an. Sechs Monate nach Operation berichtet der Patient über zwischenzeitlich zwei weitere Verkrampfungsepisoden. Diese seien deutlich milder und ohne Bewusstlosigkeit verlaufen. Die Stimmfunktion sei weiterhin stabil und er sei insgesamt sehr zufrieden.
Diskussion
Die non-selektive laryngeale Reinnervierung mit Durchtrennung des Nervus laryngeus inferior beseitigt Fehlinnervationen, welche auch bei laryngostroboskopisch unauffälligen Befunden zu starken Einschränkungen von Atem- und/oder Stimmfunktion führen können. Durch die Denervierung des Rekurrens werden dabei pathologische und oft auch symptomatische Synkinesien zuverlässig beseitigt.
Der Eingriff hat ein geringes Risikoprofil und kann die Lebensqualität von Betroffenen bei einseitiger Stimmlippenlähmung nachhaltig verbessern. Eine Stimmverschlechterung ist nicht zu befürchten.



