66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
Viel Lärm um (fast) Nichts – langfristige Ergebnisse von Beugesehnenverletzungen bei Kindern
Text
Fragestellung: In Anbetracht aller Verletzungen bei Kindern sind Beugesehnenverletzungen seltene Ereignisse. In der Literatur werden kurzfristige Behandlungsergebnisse beschrieben. Der langfristige Einfluss von Beugesehnenverletzungen bei Kindern auf die Funktion der Hand und die persönliche Entwicklung soll anhand einer Nachuntersuchung ermittelt werden.
Methodik: Eingeschlossen wurden alle Patienten unter 18 Jahren, die eine Beugesehnenverletzung erlitten hatten und deren Behandlung seit mindestens 5 Jahre beendet war. Neben dem funktionellen Vergleich der Hände wurde das subjektive Ergebnis (0-100 Punkte) und der Disabilities of the Arm, Shoulder and Hand (DASH) Fragebogen erhoben. Die Daten wurden mittels deskriptiver Statistik ausgewertet. Seitendifferente Werte wurden mit dem t-Test für abhängige Stichproben verglichen. Einflussfaktoren auf den DASH Punktwert und die Beweglichkeit der betroffenen Finger wurden anhand einer linearen Regressionsanalyse untersucht.
Ergebnisse: Es konnten 48 Kinder, davon 13 Mädchen, mit 59 Fingern und 9 Daumen und insgesamt 219 Sehnen eingeschlossen werden. Das Alter zum Unfallzeitpunkt betrug 9,6 Jahre (±5,8; 1-17,9). Am häufigsten war der Zeigefinger (26,5%) und die tiefe Beugesehne (23,7%) betroffen. Die Verletzung fand sich am häufigsten in Zone II nach Verdan. Zusätzliche Gefäß- und Nervenverletzungen fanden sich in 47% bzw. 66,2%. Der Zeitraum vom Unfall bis zur Operation betrug 5,3 Tage (±11,4; 0-65). Der operative Eingriff dauerte 67,1 Minuten (±32,1; 22-171). Die Nachuntersuchung erfolgte 10,9 Jahre (±4,3; 5-19,4) nach dem Unfall. Bei Verletzungen der Fingerbeugesehnen konnten signifikante Unterschiede im Kraftgriff (p=0,005), Schlüsselgriff (p=0,041), der Beweglichkeit (p<0,001) und der Länge des Fingers (p=0,022) festgestellt werden. Bei Verletzungen der Beugesehne des Daumens ergaben sich keine signifikanten Seitendifferenzen. Bei allen 31 zwischenzeitlich berufstätigen Patienten hatte der Unfall keinen Einfluss auf die Berufswahl. Das operative Ergebnis wurde subjektiv mit 87% (±17,6; 24-100) eingeschätzt. Der DASH Fragebogen erbrachte 3,5 Punkte (±1,7; 0-22,5).
Als negative Einflussfaktoren auf den DASH Score konnte ein höheres Alter zum Unfallzeitpunkt (p<0,001) und eine Nervenverletzung (p=0,009) festgestellt werden. Die Beweglichkeit des verletzten Fingers wurde durch die Zeitdauer vom Unfall bis zur Operation (p=0,004), die Anzahl der betroffenen Sehnen (p<0,001), der Verletzungszone (p=0,034) und einer vorliegenden Nervenverletzung (p=0,001) negativ beeinflusst.
Schlussfolgerung: Die langfristigen Ergebnisse 10 Jahre nach Beugesehnenverletzungen im Kindesalter sind sehr gut. Trotz messtechnisch signifikanter Seitendifferenzen sind die Einschränkungen im Alltag gering. Eine häufig vorliegende zusätzliche Nervenverletzung reduziert signifikant die Beweglichkeit des Fingers und die Funktion im Alltag. Einen Einfluss auf die Berufswahl hat die Beugesehnenverletzung nicht.



