66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
Die Veränderung der Handfunktion im Rahmen einer handchirurgisch geführten stationären Handrehabilitation und ihr Einfluss auf den Heilungsverlauf
Text
Fragestellung: Eine unfallbedingte Einschränkung der Handfunktion kann gravierende persönliche, interpersonelle und finanzielle Folgen nach sich ziehen. Zur Optimierung der Behandlung von Handverletzungen ist eine speziell handtherapeutisch ausgerichtete stationäre Rehabilitation möglich. Die vorliegende Analyse verfolgt das Ziel die Veränderung der Handfunktion im Rahmen dieser dreiwöchigen Therapie zu explorieren und mögliche Einflussfaktoren auf die Handfunktion und auf die Dauer der Arbeitsunfähigkeit der Rehabilitanden zu identifizieren.
Methodik: Es handelt sich um eine retrospektive Erhebung der Patienten, die im Jahr 2017 an einer handchirurgisch geführten Rehabilitation teilnahmen (n = 256, Zufallsstichprobe). Patienten- und verletzungsbezogene Daten wurden aus den Patientenakten extrahiert. Die Beweglichkeit des Handgelenkes in allen drei Bewegungsebenen sowie deren Summe (hier als „Range of Motion“, ROM), der Faustschluss, die Fingerstreckung, die Handkraft und der DASH-Fragebogen („Disability of Arm, Shoulder and Hand“) wurden ausgewertet. Die Handgelenksbeweglichkeit und die Handkraft wurden im Verhältnis zur Gegenseite betrachtet. Zusätzlich wurde die Dauer der Arbeitsunfähigkeit in den Datensatz aufgenommen. Die Analyse erfolgte unter der Verwendung verteilungsadäquater statistischer Verfahren.
Ergebnisse: In allen genannten Kategorien zeigte sich eine Verbesserung der erhobenen Parameter. Die Handgelenksbeweglichkeit (ROM) lag bei Handgelenksverletzungen in Woche 1 im Median bei 68% der Gegenseite (Min. 5%, Max. 139%) und in Woche 3 bei 77% (Min. 10%, Max. 175%), n =119. Bei Handverletzungen betrug sie in Woche 1 93% (Min. 34%, Max. 106%) und in Woche 3 96% (Min. 37%, Max. 123%), n =136. Patienten mit Handgelenksverletzungen erreichten im Median eine maximale Kraft (Grobgriff) von 40% (Min. 0%, Max. 116%) in Woche 1 und 50% (Min. 5%, Max. 122%) in Woche 3, n =106. Patienten mit Handverletzungen erreichten 52% (Min. < 1%, Max. 119%) in Woche 1 und 64% (Min. < 1%, Max. 123%) in Woche 3, n =126. Auch die Fingerbeweglichkeit und der DASH-Wert verbesserten sich nachweislich. Die Gesamtdauer der Arbeitsunfähigkeit konnte für 186 Patienten retrospektiv ermittelt werden. Im Median betrug sie 153 Tage (T) (Min. = 19 T, Max. = 557 T). Bei primärer Behandlung in der rehabilitierenden Klinik lag der Zeitraum bis zum Beginn der Handrehabilitation im Median bei 68 Tagen (Min. 27, Max. 178; n = 70), bei sekundärer Behandlung bei 131 (Min. 6, Max. 789; n = 163). Die Dauer der Arbeitsunfähigkeit nach Beginn der Handrehabilitation war statistisch unabhängig vom Ort der primären Behandlung (p = 0,394, n = 166).
Abbildung 1 [Abb. 1]
Schlussfolgerung: Es zeigt sich eine messbare Verbesserung der Handfunktion über einen Zeitraum von 3 Wochen. Eine primäre Behandlung in der Klinik, in welcher auch die Rehabilitation durchgeführt wurde, ging mit einem rascheren Heilungsverlauf einher.




