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66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie
08.-10.10.2026
Bremen

Meeting Abstract

Ursachen und Ergebnisse von Fingeramputationen aufgrund von Nekrosen bei Systemischer Sklerose

Luisa Bott - Krankenhaus Waldfriede, Berlin, Deutschland
Martin Lautenbach - Krankenhaus Waldfriede, Berlin, Deutschland

Text

Fragestellung: Digitale Ulzera und Nekrosen stellen eine schwere Komplikation der systemischen Sklerose dar und können bis zum vollständigen Gewebeverlust einzelner Finger führen. Während Literatur und Leitlinien eine primär konservativ-vaskuläre Therapie mit Amputation als Ultima Ratio empfehlen, ist die klinische Entscheidung bei progredienter Nekrose kritisch abzuwägen. Ziel der Arbeit war es, den Behandlungsverlauf von Patient:innen mit fingerbetonter systemischen Sklerose zu analysieren mit der Frage, ob bei fortschreitender Nekrose eine frühzeitige Amputation gegenüber einem prolongierten konservativen Vorgehen Vorteile bietet und wie die Ergebnisse nach Fingeramputationen in dieser besonderen Patientengruppe einzuschätzen sind.

Methodik: In einer retrospektiven Analyse wurden 35 Patient:innen (33 Frauen, 2 Männer) mit einer systemischen Sklerose erfasst, die in den letzten fünf Jahren in unserem rheumatologischen Zentrum im Rahmen der ASV internistisch, rheumahandchirurgisch und handtherapeutisch ambulant und stationär bei verschiedenen Formen der vaskulitischen Fingernekrose behandelt wurden. Alle Patient:innen wiesen typische Manifestationen an den Händen auf, welche im Verlauf operativ saniert werden mussten. Die konservative Therapie umfasste die Anleitung zur Hautpflege, ergotherapeutische Maßnahmen sowie eine stufenweise medikamentöse Behandlung von oraler Basistherapie bis hin zur stationären intravenösen Ilomedintherapie. Klinische Verläufe, Komplikationen und operative Eingriffe sowie die Ergebnisse nach Amputationen wurden ausgewertet.

Ergebnisse: Die Patient:innen konnten regelhaft initial konservativ stabilisiert werden, bei zunehmenden Nekrosen erfolgte ein chirurgisches Debridement bis hin zur Amputation. Bei progredienten Nekrosen zeigte sich ein erhöhtes Risiko für infektiöse Komplikationen bis hin zur Phlegmone, Empyem und Osteomyelitis, teilweise mit systemischer Reaktion. In diesen Fällen führte ein prolongiertes konservatives Vorgehen häufiger zu verzögerter Wundheilung, längeren Krankenhausaufenthalten und der Notwendigkeit ausgedehnterer Amputationen mit entsprechend höherem Funktionsverlust. Frühzeitige chirurgische Interventionen bei klar abgegrenzter, nicht reversibler Nekrose konnten hingegen die Ausbreitung infektiöser Komplikationen begrenzen und funktionserhaltendere Ergebnisse ermöglichen. Insgesamt tratenkeine relevanten postoperativen Komplikationenauf, mit Ausnahmeeiner Wundheilungsstörung.

Schlussfolgerung: Die Ergebnisse unterstützen die leitliniengerechte primär konservative interdisziplinäre Therapie. Gleichzeitig zeigt sich, dass bei progredienten Nekrosen eine lange Verzögerung chirurgischer Maßnahmen das Risiko schwerer Infektionen, insbesondere Osteomyelitiden, sowie größerer Amputationenumfänge erhöht. Eine frühzeitige interdisziplinäre Evaluation und individuelle Indikationsstellungen zur Amputation sind entscheidend, um den funktionellen Erhalt der Hand zu optimieren. Hier ist immer eine chirurgische und medikamentöse Therapie zeitgleich notwendig.