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66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie
08.-10.10.2026
Bremen

Meeting Abstract

Nicht immer besser, aber schneller: Der semiokklusive Folienverband im Vergleich zum homodigitalen Insellappen bei Fingerkuppenamputationen

Annika Arsalan-Werner - Universitätsmedizin Frankfurt, BG Unfallklinik Frankfurt, Frankfurt, Deutschland
Natallia Brui - Universitätsmedizin Frankfurt, BG Unfallklinik Frankfurt, Frankfurt, Deutschland
Christoph Hirche - Universitätsmedizin Frankfurt, BG Unfallklinik Frankfurt, Frankfurt, Deutschland

Text

Fragestellung: Fingerkuppenamputationen sind häufige Handverletzungen und können operativ oder konservativ behandelt werden. Der semiokklusive Folienverband stellt eine etablierte Alternative zur plastischen Deckung, z.B. mit dem homodigitalen Insellappen dar, direkte Langzeitvergleiche beider Verfahren sind jedoch limitiert. Ziel dieser Studie war der Vergleich der langfristigen funktionellen, sensiblen und patientenberichteten Ergebnisse beider Behandlungsstrategien.

Methodik: In dieser retrospektiven vergleichenden Kohortenstudie wurden Patient:innen mit isolierten Fingerkuppenamputationen distal des distalen Interphalangealgelenks eingeschlossen. Eine Kohorte umfasste 28 PatientInnen mit 29 Fingern nach Versorgung mittels homodigitalem Insellappen mit einem mittleren Follow-up von 105 ± 42 Monaten. Die Vergleichsgruppe wurde nach einer Änderung des institutionellen Standardtherapiekonzepts mit einem semiokklusiven Folienverband behandelt (20 PatientInnen, 25 Finger) und nach 74 ± 21 Monaten postoperativ nachuntersucht. Erhoben wurden Bewegungsumfang, Griffkraft, DASH-Score, sensible Parameter, Nagel- und kosmetisches Ergebnis, Schmerzen und Patientenzufriedenheit.

Ergebnisse: PatientInnen der Folienverbandsgruppe waren zum Verletzungszeitpunkt signifikant älter als in der Lappenkohorte (52,5 ± 15,7 vs. 42,9 ± 15,5 Jahre; p = 0,042). Trotz höheren Alters zeigte sich eine signifikant kürzere Heilungsdauer in der Folienverbandsgruppe (7,3 ± 3,2 vs. 14,6 ± 9,6 Wochen; p < 0,001). Geschlecht, Händedominanz und berufliche Belastung waren zwischen den Gruppen vergleichbar. Die langfristigen funktionellen Ergebnisse, einschließlich Griffkraft, DASH-Score und Patientenzufriedenheit, zeigten keine signifikanten Unterschiede zwischen beiden Behandlungsverfahren.

Schlussfolgerung: Der semiokklusive Folienverband ermöglicht trotz höherem Patientenalter eine deutlich verkürzte Heilungsdauer bei vergleichbaren langfristigen funktionellen und sensiblen Ergebnissen und stellt bei ausgewählten Fingerkuppenamputationen eine zuverlässige und ressourcensparende Alternative zum homodigitalen Insellappen dar.