66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
Komplexverletzungen des Unterarmes und der Hand beim geriatrischen Patienten
Text
Fragestellung: Komplexverletzungen der Hand stellen insbesondere bei geriatrischen Patienten eine besondere Herausforderung dar. Neben altersbedingten Veränderungen wie reduzierter Knochenqualität, eingeschränkter Nervenregeneration und vorhandenen Komorbiditäten mit entsprechender Medikation beeinflussen soziales Umfeld und Rehabilitationsfähigkeit das Behandlungsergebnis. Ziel dieser retrospektiven Untersuchung ist es, Verletzungsmuster, Therapieansätze und funktionelle Outcomes bei geriatrischen Patienten mit komplexen Handverletzungen zu analysieren.
Methodik: In einer retrospektiven Analyse wurden Patienten ≥70 Jahre eingeschlossen, die aufgrund komplexer Handverletzungen (kombinierte Knochen-, Sehnen-, Nerven und Gefäßverletzungen) operativ behandelt wurden. Erfasst wurden demografische Daten, Verletzungsmechanismen, operative Therapieverfahren sowie Komplikationen. Das funktionelle Outcome wurde anhand klinischer Verlaufskontrollen und der Selbstständigkeit im Alltag evaluiert. Die ambulante Nachuntersuchung erfolgte in regelmäßigen Abständen.
Ergebnisse: Insgesamt wurden im Zeitraum von 2015–2025 n = 60 Patienten eingeschlossen (mittleres Alter: 74,8 Jahre). Häufigste Verletzungsursachen waren Kreissägenverletzungen und Schnittverletzungen sowie Amputationen. Ein Großteil der Patienten wies kombinierte Verletzungen von Knochen und Weichgewebe auf. Die operative Versorgung erfolgte mittels Stabilisierung und Rekonstruktion mit Revaskularisation in Abhängigkeit der Befunde. Komplikationen mit Notwendigkeit einer operativen Revision traten in 30% auf, wobei Wundheilungsstörungen und Nekrosen dominierten. Signifikante Einflussfaktoren auf das Outcome waren initiale Verletzungsschwere, Compliance im Rahmen der Nachbehandlung sowie Unterstützung durch das soziale Umfeld.
Schlussfolgerung: Komplexverletzungen der Hand im geriatrischen Patientenkollektiv sind häufig mit funktionellen Einschränkungen assoziiert. Eine individualisierte Therapie unter Berücksichtigung der biologischen Voraussetzungen und funktionellen Bedürfnisse ist entscheidend. Individuelle Nachbehandlung und ambulante engmaschige Betreuung können die funktionellen Ergebnisse verbessern und die Selbstständigkeit im Alltag erhalten.



