66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
Hand in Hand: Fallbericht zur Replantation nach traumatischer Handamputation
Text
Fragestellung: Traumatische Handamputationen gehören zu den anspruchsvollsten Situationen der rekonstruktiven Chirurgie. Trotz moderner Replantationstechniken bleibt die funktionelle Wiederherstellung langwierig und lebensqualitätsrelevant. Anhand eines Fallbeispiels wird der Einfluss von Weichteildeckung und mehrzeitigen sekundären Rekonstruktionen nach einer Handreplantation dargestellt.
Methodik: Dargestellt wird der Fall eines 21-jährigen Patienten, der nach einem Machetenangriff eine scharftraumatische Amputation der linken Hand in Höhe der proximalen Karpalreihe erlitt.
Ergebnisse: Unmittelbar nach Aufnahme führten wir die Replantation mittels K-Draht- Osteosynthese sowie temporärer gelenkübergreifender Stabilisierung durch Fixateur-externe durch. Es wurde der komplette Beuge- und Strecksehnenapparat mittels Naht nach Kirchmayr-Kessler sowie N. medianus, N. ulnaris und N. radialis sowie die Gefäße mittels mikrochirurgischer End-zu-End- Anastomosen rekonstruiert. Aufgrund einer dorsalen Wundheilungsstörung kam es zum Untergang aller Strecksehnen. Die rupturierten Stümpfe wurden reseziert und Silastic®-Stäben implantiert. Eine erneute Wundheilungsstörung machte eine Verlängerung der Silastic-Stäbe nach weiterem Zurückkürzen der demarkierten Sehnenstümpfe (EDC, EPL) erforderlich. Vor weiterer Rekonstruktion erfolgte eine Weichteildeckung mittels freier fasziokutaner ALT-Lappenplastik. Später wurden die Arthrodese des Handgelenks in Funktionsstellung mit Beckenkammspongiosa und eine mehrzeitige Strecksehnenrekonstruktion nach Entfernung der Silastic®-Stäbe durchgeführt. Die Rekonstruktion der Strecksehnen erfolgte nach Entfernung der Silasticstäbe für EPL, EI und EDC mittels STT- und Gracilis-Sehne. Es besteht eine gut durchblutete, stabile Weichteildeckung mit erhaltener Schutzsensibilität der gesamten Hand. Bei ausgeheilter Arthrodese konnte nach 1,5 Jahren die Arthrodeseplatte entfernt werden. Es zeigt sich eine gute Beugefunktion der Finger mit suffizientem Faustschluss und voller Streckfähigkeit der Finger. Der Patient ist voll arbeitsfähig in seinem erlernten Beruf.
Schlussfolgerung: Dieser Fall zeigt, dass eine erfolgreiche Handreplantation nach scharfem Trauma mit funktioneller Wiederherstellung möglich ist. Bei geeignetem Amputat und Möglichkeit der Behandlung zur Early Total Care sollte eine Replantation angestrebt werden. Voraussetzung sind mikrochirurgische Expertise und fundierte anatomische Kenntnisse, die regelmäßig trainiert werden müssen.



