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66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie
08.-10.10.2026
Bremen

Meeting Abstract

Erste Isolierung von Gibbsiella quercinecans bei einer posttraumatischen Infektion des Fingers

Leonie Schaudig - Abteilung für Hand-, Plastische und Mikrochirurgie, Schwerbrandverletztenzentrum, Berufsgenossenschaftliches Klinikum, Hamburg, Deutschland
Jonas Lübbe - Institut für Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Hamburg, Deutschland
Benjamin Berinson - Institut für Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Hamburg, Deutschland
Susanne Rein - Abteilung für Hand-, Plastische und Mikrochirurgie, Schwerbrandverletztenzentrum, Berufsgenossenschaftliches Klinikum, Hamburg, Deutschland; Abteilung für Unfallchirurgie und Orthopädie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Hamburg, Deutschland

Text

Fragestellung: Bei posttraumatischen Infektionen der Hand ist das chirurgische Debridement ein wesentlicher Aspekt der Therapie. Neben typischen Erregern spielen bei Verletzungen im Freien seltene Umweltkeime eine Rolle. Gibbsiella quercinecans ist ein pflanzenassoziiertes Bakterium, das im Zusammenhang mit dem akuten Eichensterben beschrieben wurde und bisher noch nicht in humanen Gewebeproben nachgewiesen wurde. Wir präsentieren einen Fall der, unseres Wissens nach, die erste Isolierung von G. quercinecans aus einer Infektion beim Menschen darstellt.

Methodik: Ein 60-jähriger Patient stellte sich nach Fahrradsturz mit einer zwei Tage alten, primär versorgten Schnittverletzung des linken Daumens vor. Bei zunehmenden Schmerzen, Rötung und purulenter Sekretion wurde die Indikation zur operativen Therapie gestellt. Intraoperativ zeigte sich eine phlegmonöse Weichteilinfektion mit 30%iger Läsion des Sehnendurchmessers des M. extensor pollicis longus und Eröffnung des Interphalangealgelenks ohne Hinweis auf ein Empyem. Es erfolgten ein radikales Débridement mit Entnahme von Abradaten zur mikrobiologischen Untersuchung, die Wundspülung und Rekonstruktion der Strecksehne, der primäre Wundverschluss sowie die intravenöse antibiotische Therapie kalkuliert mit Cefazolin.

Ergebnisse: In den intraoperativ gewonnenen Gewebeproben wurde ein gramnegatives Stäbchenbakterium in Reinkultur nachgewiesen. Die konventionelle mikrobiologische Diagnostik mit MALDI-TOF, englisch: matrix-assisted laser desorption ionization time-of-flight mass spectrometry,- und 16S-rDNA-Analysen ergab keine eindeutige Identifikation der Spezies. Erst durch die Ganzgenomsequenzierung gelang die eindeutige Spezifikation als G. quercinecans. Der Erreger zeigte ein sensibles Resistenzprofil ohne Nachweis klinisch relevanter Resistenzgene auf die standardisiert in der Handchirurgie eingesetzten Antibiotika. Durch das operative Debridement und die antibiotische Therapie mit Cefazolin kam es zu einer raschen lokalen Befundbesserung.

Schlussfolgerung: Der vorliegende Fall beschreibt erstmalig den Nachweis von G. quercinecans bei einer Infektion der Hand. Bei posttraumatischen Infektionen nach Exposition im Freien sollte somit differenzialdiagnostisch auch an seltene Umweltkeime gedacht werden. Der Fall unterstreicht zudem die Limitation konventioneller mikrobiologischer Diagnostik sowie den zunehmenden Stellenwert molekularer Verfahren bei unklarer Erregeridentifikation. Entscheidend für den Therapieerfolg bleibt das frühzeitige chirurgische Debridement. Vor dem Hintergrund sich verändernder Umweltbedingungen und möglicher Einflüsse durch den Klimawandel könnte das bisher seltene Auftreten von Umweltpathogenen in klinischen Infektionen künftig an Bedeutung gewinnen.