66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
Der semiokklusive Folienverband zur Behandlung von Amputationen proximal des Fingerendgliedes
Text
Fragestellung: Die semiokklusive Verbandstherapie ist bei Amputationsverletzungen der Fingerendglieder gut etabliert und geht mit einer zuverlässigen Heilung und guten funktionellen Ergebnissen einher. Im Gegensatz dazu werden weiter proximal gelegene Amputationen in der Regel als ungeeignet für eine sekundäre Stumpfheilung angesehen. Studien über die Anwendung des semiokklusiven Folienverbandes auf proximalem Niveau liegen aktuell nicht vor. In diesem Fallbericht soll über die erfolgreiche Behandlung einer traumatischen 3-Finger-Amputation mit semiokklusiven Verbänden berichtet werden.
Methodik: Ein 58-jähriger rechtshändiger Mann stellte sich mit einer traumatischen 3-Finger-Amputation der rechten Hand vor, nachdem er sich an einer industriellen Verarbeitungsmaschine für Gemüse verletzt hatte. Klinisch zeigten sich vollständige Amputationen des Zeige-, Mittel- und Ringfingers auf Höhe der Mittelglieder. Die amputierten Fingerteile wiesen erhebliche Weichteilschäden auf. Es erfolgte die notfallmäßige operative Versorgung. Aufgrund einer teils mehretagigen Destruktion der neurovaskulären Strukturen an den Amputaten war eine Replantation nicht möglich, sodass nach begrenztem Débridement semiokklusive Folienverbände angelegt wurden. Die semiokklusiven Verbände wurden im weiteren Verlauf wöchentlich gewechselt. Bereits während des stationären Aufenthalts wurde eine intensive Handtherapie durchgeführt. Nach wenigen Wochen folgte eine sechswöchige komplexe stationäre handchirurgische Rehabilitation zum Funktionsaufbau der Hand.
Ergebnisse: Bei der Nachuntersuchung nach drei Monaten berichtete der Patient über keine Schmerzen, weder in Ruhe noch unter Belastung (NRS 0/10). Es bestand eine geringe Kälteempfindlichkeit der Fingerstümpfe, während Phantomschmerzen oder neuropathische Schmerzen verneint wurden. Das subjektive Ergebnis wurde als sehr positiv bewertet. Das funktionelle Ergebnis war bei einem QuickDASH-Score von 22 mit moderaten Einschränkungen verbunden. Der Patient war in der arbeitsspezifischen Leistungsanalyse hoch motiviert, an seinen Arbeitsplatz zurückzukehren. Alle Wunden waren vollständig epithelialisiert. Es bestanden keine trophischen Störungen oder Atrophien. Die Narbenqualität war an jedem Amputationsstumpf sehr stabil. Die Sensibilität an den Amputationsstümpfen zeigte eine Zweipunktediskriminierung von 4 bis 8 mm gegenüber 3 bis 4 mm der unverletzten Gegenseite. Im Verlauf der stationären Rehabilitation war eine stetige Verbesserung der Greif- und Pinchkraft der verletzten Hand zu verzeichnen (von initial 8,5 kg auf 21,4 kg am Dynamometer).
Schlussfolgerung: Anhand der Ergebnisse der erfolgreichen Behandlung einer traumatischen 3-Finger-Amputation auf Höhe der Mittelglieder mit semiokklusiven Folienverbänden lässt sich schlussfolgern, dass diese Methode eine relevante Berechtigung im Behandlungsregime von Amputationsverletzungen hat. Da es sich um eine Einzelfallstudie handelt, sollten weitere Untersuchungen folgen.



