66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
Ringavulsionen – Kontraindikation zur Replantation? Ergebnisse und Technik nach Foucher
Text
Fragestellung: Ring-Avulsionsverletzungen zählen zu den schwersten Verletzungen der Hand und gehen häufig mit ausgeprägten Weichteil-, Gefäß- und Nervenläsionen einher. Aufgrund der komplexen Verletzungsmuster wird insbesondere bei höhergradigen Läsionen in vielen Zentren primär amputiert. Die Literatur zeigt jedoch, dass sowohl Überlebensraten als auch funktionelle Ergebnisse nach Replantation besser sein können als historisch angenommen. Ziel dieser Arbeit ist es, die Rolle der Replantation einer Avulsion kritisch zu beleuchten und die Technik nach Foucher als reproduzierbare Option darzustellen.
Methodik: Zentrumsinterne Analyse aller Ringavulsionsverletzungen im Zeitraum von April 2025 bis April 2026. Insgesamt wurden 10 Patienten mit 12 avulsionierten Fingern eingeschlossen. Die Klassifikation erfolgte nach der Kay-Wolff-Klassifikation (Grad III: n=2; Grad IV: n=10). In allen Fällen wurde eine Replantation unter Anwendung der Foucher-Technik durchgeführt. Analysiert wurden Überlebensrate, demografische Daten, betroffene Finger sowie die stationäre Liegedauer.
Ergebnisse: Die Überlebensrate betrug 58,3% (7/12). Das durchschnittliche Patientenalter lag bei 28,8 Jahren, bei deutlicher männlicher Dominanz (91,7%). Am häufigsten betroffen war der Ringfinger (66,7%), gefolgt von Mittel- und Kleinfinger (je 16,7%). Die mittlere stationäre Liegedauer betrug 10,7 Tage.
Schlussfolgerung: Die Ergebnisse zeigen, dass auch höhergradige Ringavulsionsverletzungen erfolgreich replantiert werden können und eine primäre Amputation nicht obligat ist. Trotz fehlender funktioneller Langzeitergebnisse legen Literaturdaten nahe, dass funktionelle Resultate akzeptabel sein können und die generelle Ablehnung der Replantation nicht gerechtfertigt ist. Ziel ist es daher, neben der kritischen Diskussion der Indikationsstellung („to replant or not to replant“) insbesondere die Technik nach Foucher detailliert darzustellen und deren praktische Durchführbarkeit zu demonstrieren.



