66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
Evaluation der Neuromprävention von Koagulation vs. Nervenkappen im Nervus ischiadikus Modell der Ratte: Eine histologische und neuroradiologische Analyse
Text
Fragestellung: Periphere Nervenverletzungen insbesondere bei Amputationsverletzungen stellen aufgrund des Risikos einer Neurombildung mit konsekutiver Schmerzsymptomatik und funktionellen Einschränkungen eine klinisch signifikante Herausforderung in der rekonstruktiven Chirurgie dar. Diese Studie vergleicht die Wirksamkeit von Chitosan- und Polylaktid-basierten Nervenkappen mit der klinisch häufig eingesetzten Methode der Koagulation in Bezug auf Modulation der Neuromform und Unterstützung einer geordneten Nervenregeneration.
Methodik: Weibliche Sprague-Dawley-Ratten (n=40) wurden in vier gleich große Gruppen eingeteilt: Sham (S, Kontrolle), Koagulation (K), Chitosan-Kappe (C) und Polylaktid-Kappe (P, Neurocap®). Nach Neurotmesis mit Resektion eines Teils des Nervus ischiadikus erfolgte die jeweilige Behandlung (Abbildung 1 [Abb. 1]). Der Beobachtungszeitraum betrug 12 Wochen, mit einer Magnetresonanz-neurographischen Untersuchung in Woche 6 und 12. Die histologische Aufarbeitung erfolgte in Woche 12 mit makroskopischer Beurteilung der Neuromform und Adhäsion, ergänzt durch eine Befragung von 16 Plastischen und Handchirurg*innen. Anschließend erfolgte die quantitative histomorphometrische Auswertung.
Abbildung 1: Studiendesign mit Neurotmesis des N. ischiadicus (> 5 mm Defektstrecke) und Gruppeneinteilung mit intraoperativen Aufnahmen der jeweiligen Behandlungsmethode (n = 9–10 pro Gruppe).
Ergebnisse: Die makroskopische Evaluation zeigte, dass die Kappengruppen eher dichtere, abgegrenzte Neurome bildeten, im Vergleich zu den eher irregulär geformten Neuromen mit peripheren axonalen Ausläufern in der Sham und Koagulationsgruppe. Die Histomorphometrie zeigte eine signifikant erhöhte Axondichte [ρ(C) = 15851 ± 7132 Axone/mm², ρ(P) = 15657 ± 4066 Axone/mm²] mit signifikant dickeren Myelinscheiden [thm(C) = 0,808 ± 0,054 µm, thm(P) = 0,786 ± 0,045 µm] in den Kappengruppen im Vergleich zur Sham-Gruppe [ρ(S) = 8052 ± 5080 Axone/mm², thm(S) = 0,704 ± 0,060 µm; p(C/S) = 0,0193, p(P/S) = 0,0029 für Axondichte, p(C/S) = 0,0019, p(P/S) = 0,0046 für Myelinscheidendicke], aber ohne signifikante Unterschiede im Vergleich zur Koagulationsgruppe [ρ(K) = 14023 ± 7383 Axone/mm², thm(K) = 0,745 ± 0,075 µm, p > 0,05] (Abbildung 2 [Abb. 2]). Die Ergebnisse der Chirurgenumfrage stimmten mit der makroskopischen Evaluation überein, was auf eine konsistente Klassifizierung der Neuromform hinweist.
Abbildung 2: Histomorphometrische Ergebnisse (Axondichte, Myelinscheidendicke, Axondurchmesser, G-Ratio) nach 12 Wochen. * p < 0,05; ** p < 0,01.
Schlussfolgerung: Chitosan- und Polylaktid-Nervenkappen unterstützen organisierte Nervenregeneration und reduzieren eine ungeordnete Neurombildung. Koagulation zeigte vergleichbare Ergebnisse in bestimmten Parametern, hinweisend auf eine weiterhin valide Behandlungsoption. Diese Ergebnisse liefern wertvolle Erkenntnisse zur Optimierung chirurgischer Strategien bei peripheren Nervenverletzungen und unterstützen personalisierte Behandlungsstrategien.



