66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
Einfluss des Unfallmechanismus auf Verletzungsmuster und Therapiebedarf bei operativ versorgten Handtraumata – eine Auswertung des HandTraumaRegisters DGH
Text
Fragestellung: Handverletzungen stellen einen wesentlichen Anteil traumatologischer Notfälle dar und weisen eine hohe Heterogenität hinsichtlich Verletzungsschwere, betroffener Strukturen und funktioneller Konsequenzen auf. Ziel der Studie war es, den Zusammenhang zwischen Unfallmechanismus, Verletzungsmuster und Therapiebedarf bei operativ versorgten Handtraumata zu untersuchen.
Methodik: In einer registerbasierten Analyse des HandTraumaRegisters DGH (Projekt-ID: HTR 2025-001) wurden 34.386 Fälle aus 56 Kliniken aus den Jahren 2018 bis 2024 ausgewertet. Analysiert wurden fünf Mechanismusgruppen: stumpf, scharf/penetrierend, Maschine/Werkzeug, thermisch/chemisch sowie Biss/Sonstige. Endpunkte waren Verletzungen von Knochen, Sehnen, Nerven, Gefäßen und Weichteilen, ferner Komplexverletzung, Amputation und Versorgungsart. Zusätzlich erfolgten multivariable logistische Regressionsanalysen, adjustiert für Alter, Geschlecht, Versicherungsverhältnis und Verletzungsart. Die Auswertung erfolgte im Rahmen des freigegebenen Projekts gemäß Publikationsrichtlinie des HandTraumaRegister DGH. Die Daten wurden durch das HandTraumaRegister DGH bereitgestellt; Auswertung und Interpretation liegen in der Verantwortung der Autoren, der abschließende Reviewprozess des HandTraumaRegister DGH ist noch nicht erfolgt.
Ergebnisse: Stumpfe Traumata waren die häufigste Mechanismusgruppe (49,9%) und überwiegend mit Knochenverletzungen assoziiert (82,1%). Scharfe/penetrierende Verletzungen zeigten gehäuft Sehnen- und Nervenbeteiligungen (53,3% bzw. 40,3%). Maschinen-/Werkzeugverletzungen wiesen die höchsten Raten an Sehnen-, Gefäß- und Amputationsverletzungen auf (57,4%, 32,1% bzw. 32,3%) und waren am stärksten mit Komplexverletzungen assoziiert (89,6%; p<0,001). Replantation/Revaskularisation erfolgte am häufigsten nach Maschinen-/Werkzeugverletzungen (8,1%), temporäre Versorgungen nach thermisch/chemischen Verletzungen (37,3%). In den adjustierten Analysen bestätigte sich der Unfallmechanismus als unabhängiger Prädiktor des Verletzungsmusters und der Behandlungsstrategie.
Schlussfolgerung: Unterschiedliche Unfallmechanismen sind mit klar unterscheidbaren Verletzungsmustern und spezifischen Behandlungsbedarfen assoziiert. Während stumpfe Traumata vor allem mit knöchernen Läsionen einhergehen, zeigen scharfe und insbesondere Maschinen-/Werkzeugverletzungen häufiger hochgradige kombinierte Strukturverletzungen bis hin zur Amputation. Die Kenntnis dieser Zusammenhänge kann die frühe Risikostratifizierung, Ressourcenplanung und operative Strategieentscheidung bei Handtraumata verbessern.



