66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
Einfluss der Regionalanästhesie auf die postoperative Opioidverordnung in der Handchirurgie
Text
Fragestellung: Postoperative Opioidverordnungen sind nach handchirurgischen Eingriffen häufig. Unklar ist, ob eine Regionalanästhesie mit einer veränderten Opioidverordnung bei Entlassung und einer höheren Rate an Folgeverordnungen assoziiert ist.
Methodik: Grundlage dieser retrospektiven Kohortenstudie war das American College of Surgeons National Surgical Quality Improvement Program (ACS NSQIP) 2024. Eingeschlossen wurden häufige weichteilige und knöcherne Eingriffe an Hand, Handgelenk, Unterarm und Ellenbogen anhand eines vordefinierten handchirurgischen Kollektivs. Die Einteilung erfolgte nach dokumentierter Regionalanästhesie versus keiner Regionalanästhesie; neuraxiale Verfahren wurden ausgeschlossen. Zur Reduktion von Confounding wurde ein 1:1-Matching nach Alter und Body-Mass-Index durchgeführt, mit exakter Übereinstimmung hinsichtlich Geschlecht und Prozedurenkategorie. Primäre Endpunkte waren Opioidverordnung bei Entlassung, Opioid-Folgeverordnung innerhalb von 30 Tagen sowie die Gesamtzahl verordneter Dosen, sofern im Register verfügbar.
Ergebnisse: Von 963.565 NSQIP-Fällen erfüllten 9.250 die Einschlusskriterien. Davon wurden 2.985 Eingriffe (32,3%) unter Regionalanästhesie durchgeführt. Nach Matching wurden 2.075 Paare analysiert. In der gematchten Kohorte erhielten Patientinnen und Patienten mit Regionalanästhesie häufiger eine Opioidverordnung bei Entlassung als die Kontrollgruppe (82,3% vs. 76,3%; p<0,001). Auch Opioid-Folgeverordnungen waren in der Regionalanästhesiegruppe häufiger, insgesamt jedoch selten (4,8% vs. 2,8%; p=0,001). Bei Fällen mit dokumentierter Gesamtdosis zeigte sich kein signifikanter Unterschied in der Zahl verordneter Dosen (Median 20 [12–28] vs. 20 [12–30]; p=0,22). Die Erfassung der Gesamtdosis war im Register unvollständig.
Abbildung 1 [Abb. 1] Abbildung 1: A: Anteil der Patientinnen und Patienten mit Opioidverordnung bei Entlassung. B: Anteil der Patientinnen und Patienten mit Opioid-Folgeverordnung innerhalb von 30 Tagen postoperativ.
Schlussfolgerung: In dieser US-amerikanischen Registeranalyse war eine dokumentierte Regionalanästhesie nach häufigen handchirurgischen Eingriffen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für eine Opioidverordnung bei Entlassung sowie für eine Folgeverordnung assoziiert. Prospektive Studien sind erforderlich, um den Einfluss von Anästhesieverfahren, klinischen Abläufen und Verschreibungspraxis auf die postoperative Opioidexposition weiter zu klären.



