66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
Flexor pollicis longus Sehnenruptur durch eine vor 30 Jahren fehlpositionierte Kahnbeinschraube – ein Fallbericht
Text
Fragestellung: Eine degenerative Ruptur der FPL-Sehne ist meist durch eine rheumatische Grunderkrankung oder durch prominente einliegendes Osteosynthesematerial nach distaler Radiusfraktur bedingt. Seltene Ursachen sind Kortisoninjektionen, prominentes Osteosynthesematerial bei CMC-1 Arthrodesen, Scaphoidpseudarthrosen und irritierendes Osteosythesematerial nach Versorgung von Kahnbeinfrakturen.
Methodik: Anhand der klinischen Akte und Dokumentation wird der Fall eines 61-jährigen Patienten dargestellt. Ergänzend erfolgt eine Übersicht der relevanten Literatur.
Ergebnisse: Der 61-jährige Patient stellte sich mit einer FPL-Ruptur nach Bagatellbelastung vor. 30 Jahre zuvor war er wegen einer Kahnbeinfraktur mit einer Doppelgewinde-Schraube versorgt worden. Es kam zu einer Ausheilung der Fraktur. Im konventionellen Röntgen lag die Schraube scheinbar intraossär. Persistierende Schmerzen des Handgelenkes wurden bagatellisiert. Unspezifische Beschwerden entlang der Beugesehne bestanden 6 Monate vor Ruptur. Erst in der präoperativen CT-Diagnostik konnte die Fehllage der Schraube gesehen werden. Es war nur der distale Kahnbeinpol durch die von distal eingebrachte Schraube gefasst. Über einen palmaren Zugang konnte die Schraube aus dem Scaphoid weitergedreht und entfernt werden. Intraoperativ zeigte sich eine langstreckig aufgetriebene und rupturierte FPL-Sehne auf Höhe der fehlliegenden Schraube. Die Rekonstruktion erfolgte mittels eines Palmaris-longus-Sehneninterponats. Der Patient wurde nach dem Manchester-Protokoll nachbehandelt und erreichte eine gute Beugefunktion des Daumens.
Schlussfolgerung: Eine FPL-Ruptur durch prominenten palmaren Schraubenüberstand stellt eine seltene Komplikation dar. Auch nach einem ungewöhnlich langen Intervall von 30 Jahren kann eine solche Ruptur auftreten. Auch unspezifische Beschwerden nach Osteosynthese sollten durch eine Schnittbilddiagnostik abgeklärt werden.



