28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
Zusammenhang von Sprachverstehen und kognitiven Faktoren nach Cochlea-Implantation bei postlingual ertaubten Erwachsenen
Text
Fragestellung: Diese Studie wurde durchgeführt um einen Beitrag zur Beantwortung der Frage zu leisten, wie kognitive Fähigkeiten, Lebensqualität und depressive Symptome das Sprachverstehen nach Cochlea-Implantation bei postlingual ertaubten Erwachsenen beeinflussen. In einigen Studien wurde bereits ein positiver Zusammenhang zwischen dem wiedererlangten Sprachverstehen und kognitiven Fähigkeiten gezeigt (e.g. [1]), welcher hier repliziert werden soll.
Methoden: Die Studie umfasste 17 erwachsene, postlingual ertaubte Probanden, die vor der Cochlea-Implantation und erneut sechs Monate nach der Erstanpassung untersucht wurden. Als Kontrollgruppe dienten 17 alters- und geschlechtsgematchte Normalhörende. Das Hörvermögen wurde durch Aufblähkurve/Tonaudiometrie und Freiburger Einsilbertest, sowie durch die subjektive Einschätzung mittels NCIQ ermittelt. Außerdem wurden diverse kognitive Tests durchgeführt, welche das Arbeitsgedächtnis, die kognitive Flexibilität und die Merkfähigkeit ermittelten. Der Beck-Depression Inventory wurde ebenfalls vor und nach Versorgung ausgefüllt.
Ergebnisse: Sechs Monate nach CI-Versorgung verbesserte sich sowohl das Sprachverstehen als auch die subjektiv eingeschätzte Lebensqualität signifikant. Das Depressions-Screening (BDI) zeigte in der CI-Gruppe ebenfalls signifikant niedrigere Werte 6 Monate nach der Implantation. Über beide Gruppen hinweg bestand ein negativer Zusammenhang zwischen Alter und Arbeitsgedächtnisleistung. In der CI-Gruppe zeigten sich jedoch im zeitlichen Verlauf Verbesserungen der kognitiven Leistungsfähigkeit, vor allem im Bereich des Arbeitsgedächtnisses.
Schlussfolgerung: Bei postlingual ertaubten Erwachsenen führt die Versorgung mit einem Cochlea-Implantat nicht nur zu Verbesserungen des Hör- und Sprachverstehens, sondern auch zu einer gesteigerten Lebensqualität in unterschiedlichen Lebensbereichen. Zudem legen die Ergebnisse nahe, dass altersassoziierte Abnahmen kognitiver Leistungen zumindest teilweise abgemildert werden können.



