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28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

Langzeit-Outcome des Sprachverstehens bei Kindern nach CI-Versorgung vor Vollendung des zweiten Lebensjahres

Cedrik Plogmann - UKSH Kiel, HNO-Klinik, Kiel, Deutschland
Amke Caliebe - Health and Medical University Erfurt, Department Humanmedizin, Erfurt, Deutschland
Susanne Wiegand - UKSH Kiel, HNO-Klinik, Kiel, Deutschland
Matthias Hey - UKSH Kiel, HNO-Klinik, Kiel, Deutschland

Text

Hintergrund: Für prälingual ertaubte Kinder steht mit der möglichst frühzeitigen Durchführung einer Cochlea-Implantat (CI)-Operation eine erprobte und erfolgreiche Behandlungsmethode zum Hör-/Spracherwerb zur Verfügung.

Diese retrospektive Studie hatte zum Ziel, die langfristige Hörentwicklung dieser Patient*innen bis 15 Jahre nach Implantation darzustellen. Zudem sollte der Einfluss von Risikofaktoren auf das Sprachverstehen betrachtet werden.

Material und Methodik: Es wurde retrospektiv das postoperative Outcome anhand des Freiburger Sprachtests jeweils zum Zeitpunkt 5, 10 und 15 Jahre nach Implantation analysiert. Dies geschah durch die Testung des Einsilberverstehens bei 50, 60 und 70 dB und durch die Bestimmung der Zahlen-Diskriminationsschwelle. Die Untersuchungen erfolgten seitengetrennt im Freifeld, insgesamt wurden 148 CI-versorgte Ohren von 99 Kindern eingeschlossen, wobei die Patient*innen zwischen 2000 und 2017 geboren und vor dem Ende des zweiten Lebensjahres einseitig oder beidseitig implantiert wurden.

Ergebnisse: Es zeigte sich mit zunehmender Dauer nach Implantation in allen getesteten Lautstärken eine Verbesserung des gemessenen Wortverstehens, bis hin zu einem Medianwert von 95% seitengetrenntem Einsilberverstehen bei 70 dB nach 15 Jahren. Zum Untersuchungszeitpunkt nach 5 Jahren bestand eine statistisch signifikante Korrelation (p<0,05) zwischen einem geringeren Alter bei Implantation und einem höheren postoperativen Einsilberverstehen bei 70 dB, dieser Zusammenhang war jedoch nach 10 und 15 Jahren nicht mehr nachweisbar. Zudem ergab sich 5 Jahre nach Implantation bei den Mädchen ein signifikant besseres Verstehen in den Freiburger Worten (p<0,05) über alle getesteten Lautstärken im Vergleich zu den Jungen, aber auch dieser Effekt war nach 10 und 15 Jahren nicht mehr nachweisbar.

Diskussion: Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass in unserem Kollektiv der vor dem 2. Geburtstag mit CIs versorgten, prälingual ertaubten Kinder ein sehr gutes offenes Sprachverstehen in Ruhe erreicht wurde. Das Wortverstehen der Kinder in unserer Studienpopulation mit einem Median von 95% übertraf das Verstehen von erwachsenen CI-Patienten [1], [2].

Ein höheres Alter bei Implantation und das männliche Geschlecht deuteten auf ein schlechteres Outcome im Sprachverstehen 5 Jahre nach Implantation hin. Weiterführend wurde nachgewiesen, dass diese anfänglichen Defizite auf lange Sicht ausgeglichen werden konnten. Es kann vermutet werden, dass eine intensive und individuell angepasste Rehabilitation unter Einbeziehung der Fachbereiche Audiologie, Logopädie und Pädagogik diesen lagfristigen Ausgleich für den überwiegenden Teil der Patient*innen ermöglicht.


References

[1] Hoppe U, Hast A, Hocke T. Validierung eines Modells zur Vorhersage des Sprachverstehens nach Cochleaimplantation [Validation of a predictive model for speech discrimination after cochlear implant provision]. HNO. 2023 May;71(5):311-318. German. DOI: 10.1007/s00106-023-01284-z
[2] Rieck JH, Beyer A, Mewes A, Caliebe A, Hey M. Extended Preoperative Audiometry for Outcome Prediction and Risk Analysis in Patients Receiving Cochlear Implants. J Clin Med. 2023 May 3;12(9):3262. DOI: 10.3390/jcm12093262