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28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

Einfluss einer einmaligen intracochleären Triamcinolon-Applikation auf die CI Impedanz-Subkomponenten

Julia Veloso de Oliveira - TUM Universitätsklinikum, Experimentelle Audiologie, München, Deutschland
Clara Schilling - TUM Universitätsklinikum, Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, München, Deutschland
Wilhelm Wimmer - TUM Universitätsklinikum, Experimentelle Audiologie, München, Deutschland
Nora M. Weiss - TUM Universitätsklinikum, Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, München, Deutschland

Text

Fragestellung: Eine verstärkte Fremdkörperreaktion nach Einbringen des CI-Elektrodenträgers kann zu erhöhten Impedanzen und einem verminderten Restgehörerhalt führen. Die Vermeidung oder zumindest eine Reduktion von intracochleärem Trauma und Entzündungsreaktionen ist daher entscheidend für eine schonende Implantation. In diesem Zusammenhang wurde die einmalige hochdosierte intracochleäre Gabe von Triamcinolon vor der Insertion untersucht [1], [2]. Mittlerweile ist ein Innenohr-Katheter (INCAT, Fa. Med-El, Innsbruck) als CE-zertifiziertes Produkt auf dem Markt erhältlich. Ziel der Studie war es, den Katheter in Kombination mit einer einmaligen Triamcinolon-Applikation in einer Patientenkohorte einzusetzen und den Einfluss auf die elektrischen Impedanz-Subkomponenten zu untersuchen.

Methoden: In dieser prospektiven Studie wurden n = 20 Patient:innen eingeschlossen. Bei der INCAT-Gruppe (n = 10) wurde unmittelbar vor der Insertion Triamcinolon (20 mg/ml) mittels intracochleärem Katheter appliziert, während die Vergleichsgruppe (n = 10) eine Cochlea-Implantation ohne Kortikoidgabe durchlief. Die Impedanztelemetrie wurde intraoperativ (nach der Insertion des Elektrodenträgers), sowie bei der Erstanpassung und den Nachuntersuchungen nach 3 und 6 Monaten durchgeführt. Die Impedanz-Subkomponenten wurden anhand eines bereits publizierten Verfahrens ermittelt [3].

Ergebnisse: Zwischen der INCAT-Gruppe und der Vergleichsgruppe zeigten sich zu keinem der untersuchten Zeitpunkte ausgeprägte Unterschiede. Intraoperativ zeigten sich zwischen INCAT- und Vergleichsgruppe vergleichbare Nahfeld- und Fernfeld-Impedanzen (INCAT: 3.1kΩ ± 1.4kΩ bzw. 926Ω ± 288Ω; Vergleichsgruppe: 2.5kΩ ± 1.1kΩ bzw. 938Ω ± 323Ω). Die Gesamtimpedanzen sowie deren zeitlichen Veränderungen waren mit den von Skarżyńska et al. berichteten Werten vergleichbar [2]. Auch postoperativ, einschließlich der Erstanpassung sowie der 3- und 6-Monats-Kontrollen, ergaben sich keine relevanten Unterschiede zwischen beiden Gruppen. In der INCAT-Gruppe traten jedoch postoperativ leicht erhöhte Impedanzen in einem Bereich von etwa 20 mm bis 25 mm Insertionstiefe auf. Dieser Abschnitt entspricht ungefähr der Stelle der Injektion, was darauf hindeuten könnte, dass der Applikationsvorgang selbst möglicherweise zu einer lokalen Reaktion geführt haben könnte.

Schlussfolgerungen: Unsere Daten geben keinen Hinweis darauf, dass eine einmalige intracochleäre Applikation von Triamcinolon die Impedanzen in den ersten Wochen nach der Implantation reduziert. Weitere Studien mit größeren Fallzahlen und optimierten Applikationsstrategien sind erforderlich, um den potenziellen Nutzen zuverlässig beurteilen zu können.


References

[1] Prenzler NK, Salcher R, Lenarz T, Gaertner L, Lesinski-Schiedat A, Warnecke A. Deep intracochlear injection of triamcinolone-acetonide with an inner ear catheter in patients with residual hearing. Front Neurosci. 2023 Jul 26;17:1202429. DOI: 10.3389/fnins.2023.1202429
[2] Skarżyńska MB, Gos E, Skarżyński PH, Lorens A, Walkowiak A, Skarżyński H. Local delivery of steroids to inner ear via medical device INCAT (the Inner Ear Catheter) in partial deafness patients during cochlear implantation - preliminary results and a feasibility study. Expert Opin Drug Deliv. 2025 Apr;22(4):599-607. DOI: 10.1080/17425247.2025.2466773
[3] Veloso de Oliveira J, Weiss NM, Wimmer W. Comprehensive decomposition of cochlear implant electrode impedances. Hear Res. 2025 Oct;466:109348. DOI: 10.1016/j.heares.2025.109348