Logo

28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

Lautheitsfunktionen zur Differenzierung von OHC-Rekruitment und IHC-Dynamikverlust bei mittel- bis hochgradigem Hörverlust

Florian Schmidt - Universitätsmedizin Rostock, Rostock, Deutschland
Esther Kortenbruck - Universitätsmedizin Rostock, Rostock, Deutschland
Lichun Zhang - Universitätsmedizin Rostock, Rostock, Deutschland
Wilma Großmann - Universitätsmedizin Rostock, Rostock, Deutschland
Robert Mlynski - Universitätsmedizin Rostock, Rostock, Deutschland

Text

Einleitung: Hörverlust beeinflusst nicht nur die Hörschwelle, sondern auch die Lautheitswahrnehmung bei überschwelligen Reizen. Bei reiner Schädigung der äußeren Haarzellen (OHC) zeigt sich typischerweise Rekruitment, also eine steilere Lautheitsfunktion. Bei zusätzlicher Schädigung der inneren Haarzellen (IHC) kommt es zu einem Dynamikverlust, der sich in einer abgeflachten Lautheitsfunktion äußert. Die quantitative Abgrenzung dieser beiden Phänomene ist bislang unzureichend definiert, spielt jedoch eine entscheidende Rolle für therapeutische Maßnahmen.

Methoden: Bei 20 Patienten mit Hörschwellen zwischen 50–80dB HL wurden Lautheitsfunktionen bei 0.5, 1, 2 und 4kHz erhoben. Steigungen wurden mit Referenzwerten verglichen, um OHC- und IHC-Schädigungen zu identifizieren. Zusätzlich wurde der SISI-Test als Screeningverfahren geprüft.

Ergebnisse: Rekruitment zeigte sich nur bei 33,1% der Frequenzen und mit einer 50-%-Wahrscheinlichkeit bei 57.5dBHL. Bei Hörverlust >60dBHL und Lautheitssteigung <0.8cu/dB war kein Rekruitment nachweisbar. Der SISI-Test wies eine Sensitivität von 60% und Spezifität von 66,7% auf, erlaubte aber den Ausschluss fehlenden Rekruitments mit 80% Sicherheit.

Diskussion: Die Lautheitsfunktion ermöglicht eine differenzierte Darstellung cochleärer Schädigungen. Der SISI-Test eignet sich nur eingeschränkt für die positive Diagnostik von Rekruitment, kann jedoch bei Verdacht auf eine Beteiligung der IHC als Ausschlusstest genutzt werden. Dynamikverluste bei hohen Pegeln infolge von IHC-Schädigungen treten bereits bei mäßigem Hörverlust auf; ab einem Hörverlust von etwa 60dB gehen sie in den meisten Fällen zusätzlich mit einer Verschlechterung der Hörschwelle einher. Unklar bleibt hingegen, wie sich IHC-Schädigungen auf die Wahrnehmung mittlerer Lautheiten auswirken, beispielsweise durch einen Diskriminationsverlust. Für eine genauere Untersuchung wäre eine differenzierte Auswertung der Lautheitsskalierung erforderlich.