28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
GABA und Glutamat im auditorischen Kortex: Eine MRS-Studie zum Hören im Alter
Text
Fragestellung: Neueste Fortschritte in der spektral editierten Magnetresonanzspektroskopie (MRS) ermöglichen eine zuverlässige Quantifizierung von γ-Aminobuttersäure (GABA) und Glutamat im menschlichen Gehirn. Beide Neurotransmitter spielen eine zentrale Rolle im auditorischen System. Ziel der vorliegenden Studie war es zu untersuchen, wie Alter, Neurotransmitterkonzentrationen im auditorischen Kortex (GABA+, Glutamat) und Hörfähigkeit zusammenhängen, wobei sowohl objektive als auch subjektive Maße der Hörbeeinträchtigung berücksichtigt wurden.
Methoden: Untersucht wurden junge Erwachsene (n = 23; 18–35 Jahre) mit normalem Hörvermögen sowie ältere Erwachsene (n = 55; 50–77 Jahre) mit normalem Hörvermögen und mild bis moderatem altersbedingten Hörverlust. Mittels MRS wurden GABA+ und Glutamat Konzentrationen im auditorischen Kortex erfasst. Ergänzend wurden Reinton-Audiometrie (125–8.000 Hz), Sprachverstehen im Störgeräusch (OLSA) sowie Fragebögen zur subjektiven Hörbeeinträchtigung (HHIE) und zum Höranstrengungsempfinden im Alltag erhoben.
Ergebnisse: Ältere Erwachsene zeigten im Vergleich zu jungen Erwachsenen höhere GABA+ Konzentrationen sowie niedrigere Glutamat/tCr-Werte im auditorischen Kortex. Innerhalb der Gruppe der älteren Teilnehmenden war eine stärkere subjektive Hörbeeinträchtigung mit niedrigeren GABA+ Konzentrationen assoziiert. Explorative Analysen deuteten zudem darauf hin, dass höhere Glutamat Konzentrationen bei älteren Erwachsenen mit besserer kognitiver Leistungsfähigkeit einhergingen.
Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse liefern erste Hinweise darauf, dass altersassoziierte Veränderungen im inhibitorischen und exzitatorischen Neurotransmittersystem des auditorischen Kortex mit subjektiv erlebten Hörproblemen und kognitiver Leistungsfähigkeit zusammenhängen. Diese Befunde tragen zum besseren Verständnis neurobiologischer Mechanismen bei altersassoziiertem Hörverlust bei und könnten langfristig Ansatzpunkte für interventionsorientierte Strategien zur Reduktion von Höranstrengung und zur Verbesserung der Sprachverarbeitung liefern.



