28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
Kognitive, Lern-, exekutive und aufmerksamkeitsspezifische Funktionen bei Kindern mit Cochlea-Implantaten
Text
Einleitung: Hörverlust in der frühen Kindheit kann die Entwicklung der Sprache, der kognitiven Fähigkeiten und der exekutiven Funktionen (EF) beeinträchtigen. Obwohl Cochlea-Implantate (CI) die auditive Wahrnehmung wiederherstellen, bestehen weiterhin erhebliche Unterschiede in den kognitiven und schulischen Leistungen. Diese Studie untersuchte die alltäglichen EF, das Lernverhalten und das schulische Verhalten von Kindern mit CI im Vergleich zu normal hörenden (NH) Gleichaltrigen.
Methoden: Die Eltern von 279 Kindern im Alter von 6 bis 18 Jahren (119 CI, 160 NH) füllten den Fragebogen „Learning, Executive, and Attention Functioning (LEAF)“ aus. Die Subskalen wurden mit Wilcoxon-Tests und generalisierten linearen Modellen (GLM) analysiert, um kognitive Bereiche (kognitiv-exekutiv, kognitiv-lernbezogen, schulisch) zu vergleichen und Zusammenhänge mit den Ergebnissen der Sprachwahrnehmung zu untersuchen.
Ergebnisse: Kinder mit CI zeigten in den meisten Bereichen signifikant höhere LEAF-Werte, was auf größere EF- und akademische Schwierigkeiten hindeutet, selbst nach Ausschluss von Teilnehmern mit zusätzlichen Komorbiditäten. Die stärksten Gruppenunterschiede traten in den Bereichen Verständnis, konzeptionelles Lernen und akademische Fähigkeiten (Lesen, Schreiben und Mathematik) auf. Während die allgemeine EF-Leistung (zusammengesetztes cLEAF) nicht mit der Sprachwahrnehmung korrelierte, war der Bereich Kognitives Lernen – insbesondere Verständnis und konzeptionelles Lernen – negativ mit der Sprachwahrnehmung in lauter Umgebung assoziiert. Kinder mit CI zeigten auch eine größere intraindividuelle Variabilität in den kognitiven Teilbereichen.
Schlussfolgerungen: Kinder mit CI zeigen trotz guter Sprachwahrnehmung domänenspezifische und heterogene Herausforderungen in Bezug auf die exekutive Funktion und die schulischen Leistungen. Diese Schwierigkeiten lassen sich nicht vollständig durch die Hör- oder Spracherkennungsfähigkeiten erklären, was die Bedeutung der Berücksichtigung umfassenderer neurokognitiver Faktoren bei der klinischen Beurteilung und Intervention unterstreicht. Eine gezielte kognitive und pädagogische Unterstützung kann dazu beitragen, die kognitive Streuung zu verringern und die funktionellen Ergebnisse zu verbessern.



