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28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

Kognitives Profil nach Cochleaimplantation im Langzeitverlauf

Christiane Völter - Ruhr-Universität Bochum, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie, Bochum, Deutschland
Lisa Bode - Martha-Maria Halle Dölau, Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde, Kopf-und-Halschirurgie, Halle (Saale), Deutschland
Stefan Dazert - Ruhr-Universität Bochum, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie, Bochum, Deutschland
Stefan Kamin - Fraunhofer Institut, Integrated Circuits, Nürnberg, Deutschland

Text

Eine Cochlea Implantation (CI) führt nicht nur zu einer Verbesserung des Sprachverstehens, sondern hat auch Auswirkungen auf die kognitiven Fähigkeiten der Hörgeschädigten. Während verschiedene Studien den positiven Effekt einer CI-Versorgung unmittelbar im ersten Jahr nach einer Implantation aufzeigen konnten, ist die Datenlage im Hinblick auf den Langzeitverlauf bislang spärlich und widersprüchlich.

In Rahmen einer prospektiven Studie wurden bei allen Patienten, die sich im Alter von 50 Jahren oder älter mit einer beidseitigen Schwerhörigkeit zu einer CI-Versorgung im CI-Zentrum Ruhrgebiet vorstellten, präoperativ sowie 12, 24, 42 und bis zu 114 Monaten postoperativ verschiedene kognitive Domänen, wie die Aufmerksamkeit (gemessen am M3), das (verzögerte) Erinnern, das Arbeitsgedächtnis (gemessen am OSPAN) und die Wortflüssigkeit mit einer nichtauditiven neurokognitiven Testbatterie erfasst.

Die ersten Daten der bisher eingeschlossenen 28 Patienten im Alter von 64,7 (SD 8,9) und mit einer CI-Erfahrung von 8,27 (SD 0,8) Jahren bestätigen die bereits in vorherigen Studien beschriebene signifikante Verbesserung aller kognitiven Untertests im ersten Jahr nach der Implantation (alle p ≤0,004). Ab dem 2. Jahr p.o. zeigte sich abhängig von der kognitiven Domäne ein unterschiedliches Bild. Während die Aufmerksamkeit auch nach über 8 Jahren eine Verbesserung aufwies, nahm die Wortflüssigkeit zwischen dem 2. und 8. Jahr signifikant (p = 0,007) ab. Demgegenüber blieben das Erinnern und das Arbeitsgedächtnis im Langzeitverlauf stabil.

Die vorliegenden Daten bestätigen den positiven Einfluss einer Hörverbesserung durch eine Cochlea Implantation auf einzelne kognitive Domänen wie die Aufmerksamkeit. Ob sich hierdurch ein dementieller Abbau oder gar die Mortalität im Alter verhindern oder hinausziehen lässt, bleibt dennoch fraglich.