28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
Der Einfluss von sprecherspezifischem Vorwissen auf die Sprachverarbeitung bei Cochlea Implantat-Nutzenden
Text
Während viele Cochlea Implantat (CI-)Nutzende Sprache in ruhiger Umgebung gut verstehen, wird es oft schwierig, wenn mehrere Personen gleichzeitig sprechen. Studien mit normalhörenden Personen haben festgestellt, dass die Sprachverständlichkeit besser ist, wenn man im Voraus weiß, wer sprechen wird und von wo das Sprachsignal kommt [1]. Außerdem haben Koelewijn et al. [2] gezeigt, dass Vorwissen über die Position eines Sprechers die kognitive Belastung, gemessen mittels Pupillometrie, reduzieren kann. Es ist jedoch bislang unbekannt, inwieweit CI-Nutzende von solchen Informationen profitieren und wie das Vorhandensein oder Fehlen von Vorwissen die kognitive Belastung während der Sprachverarbeitung beeinflusst.
Das Ziel dieser Studie ist zu untersuchen, ob CI-Nutzende von Informationen über die räumliche Position und die Stimme eines Zielsprechers profitieren, wenn zwei Personen gleichzeitig sprechen. Um die Sprachmaskierung bei konkurrierenden Sprechern detailliert zu untersuchen, haben wir das Visual World Paradigm (VWP; [3]; [4]) verwendet, das auf der Tatsache beruht, dass Blickfixationen und Sprachverarbeitung zeitlich eng verknüpft sind. Das VWP wurde mit Matrixsätzen aus dem Oldenburger Satztest (OLSA) realisiert. Zwei konkurrierende OLSA-Sätze wurden gleichzeitig präsentiert, wobei der Zielsatz durch das Schlüsselwort „Stefan“ indiziert wurde. Die Versuchspersonen hatten im VWP die Aufgabe, ihren Blick auf Symbole zu richten, die den Zielsatz repräsentieren und den Satz anschließend verbal wiederzugeben. Gleichzeitig wurde die Pupillengröße bestimmt. Es wurden zwei Bedingungen untersucht: eine mit und eine ohne a-priori-Information über die Stimme oder die räumliche Position des Zielsprechers.
Der Vortag stellt Ergebnisse zu Blickfixationen (als Maß für die Aufmerksamkeit), Pupillengröße (als Maß für die kognitive Belastung) und die Sprachverständlichkeit dar. Basierend auf diesen Maßen wird diskutiert, ob und unter welchen Bedingungen CI-Nutzende von sprecherspezifischem Vorwissen profitieren und wie sich das bei der verbalen Kommunikation im Alltag auswirken könnte.
Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, Kennzeichen ME2751/6-1
References
[1] Kitterick PT, Bailey PJ, Summerfield AQ. Benefits of knowing who, where, and when in multi-talker listening. J Acoust Soc Am. 2010 Apr;127(4):2498-508. DOI: 10.1121/1.3327507[2] Koelewijn T, de Kluiver H, Shinn-Cunningham BG, Zekveld AA, Kramer SE. The pupil response reveals increased listening effort when it is difficult to focus attention. Hear Res. 2015 May;323:81-90. DOI: 10.1016/j.heares.2015.02.004
[3] Tanenhaus MK, Spivey-Knowlton MJ, Eberhard KM, Sedivy JC. Integration of visual and linguistic information in spoken language comprehension. Science. 1995 Jun 16;268(5217):1632-4. DOI: 10.1126/science.7777863
[4] Abdel-Latif KHA, Koelewijn T, Başkent D, Meister H. Assessment of Speech Processing and Listening Effort Associated With Speech-on-Speech Masking Using the Visual World Paradigm and Pupillometry. Trends Hear. 2025 Jan-Dec;29:23312165241306091. DOI: 10.1177/23312165241306091



