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28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

Registrierung Cortical Auditory Evoked Potentials bei Trägern von Knochenleitungshörgeräten

Karin Bauer - Universitätsklinikum Würzburg, HNO, Würzburg, Deutschland
Mario Cebulla - Universitätsklinikum Würzburg, HNO, Würzburg, Deutschland
Anja Kurz - Universitätsklinikum Würzburg, HNO, Würzburg, Deutschland

Text

Fragestellung: Die Cortical Auditory Evoked Potentials (CAEP) stellen Potenziale dar, die die kortikale Verarbeitung auditorischer Reize widerspiegeln. Sie erfassen die neuronale Aktivität entlang der zentralen Hörbahn bis hin zum auditorischen Cortex und ermöglichen somit eine objektive Beurteilung zentraler Hörverarbeitungsprozesse. Die Messung selbst kann im freien Schallfeld durchgeführt werden und ermöglicht dadurch auch Messungen an Probanden, die Hörsysteme wie Hörgeräte, Knochenleitungshörgeräte oder Cochlea-Implantate tragen.

Die vorliegende Studie untersucht, ob sich CAEP mithilfe von Knochenleitungshörgeräten zuverlässig erfassen lassen und ob die resultierenden Antwortqualitäten ausreichen, um die Einstellung dieser Geräte zu überprüfen.

Methode: Die Untersuchungen wurden mit dem Knochenleitungs-Hörsystem Ponto 5 (Oticon) durchgeführt. Für die akustische Stimulation und Registrierung der CAEP wurde das Eclipse-System mit den darin integrierten frequenzspezifischen, sprachähnlichen Stimuli (ManU-IRU, Manchester University, Interacoustics) verwendet. Die Darbietung der Stimuli erfolgte im freien Schallfeld über einen Lautsprecher. Über an der Kopfhaut platzierten Elektroden wurden die kortikalen Antworten wacher und aufmerksamer Probanden registriert. Die resultierenden Potentiale wurden in der typischen P1–N1–P2-Struktur dargestellt und hinsichtlich ihrer Latenzen und Amplituden ausgewertet.

Ergebnisse: Die kortikalen Potentiale wurden bei 20 Patient:innen mit überwiegenden Schalleitungshörverlust abgeleitet. Bei Versorgung mit dem Ponto konnten bei einem Stimulationspegel von 65dB SpRefL bei insgesamt 25 Messungen 84% (tiefer, hoher Frequenzbereich) und 100% (mittlerer Frequenzbereich) CAEP (P1-N1-P2 – Komplex) identifiziert werden. Unversorgt lag die Erkennungsrate mit 48% (tiefer, mittlerer Frequenzbereich) und 32% (hoher Frequenzbereich) deutlich niedriger. Das zeigt sich auch bei den mittleren N1-P2-Amplitudendifferenzen, die bei Versorgung mit dem Ponto signifikant größer sind.

Schlussfolgerung: Die vorgestellte Messmethode zeigt, dass sich über ein Knochenleitungshörsystem bandbegrenzte CAEP zuverlässig erfassen lassen. Damit wird eine objektive Überprüfung solcher Hörsysteme möglich, insbesondere dann, wenn subjektive Testverfahren nicht ausreichen oder nicht anwendbar sind.