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28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

Eignung von Breitband-Immittanzmaßen zur Klassifizierung von Mittelohrzuständen bei Säuglingen: Normalzustand versus Flüssigkeit im Mittelohr

Tobias Sankowsky-Rothe - Jade Hochschule Oldenburg, Institut für Hörtechnik und Audiologie, Oldenburg, Deutschland
Matthias Blau - Jade Hochschule Oldenburg, Institut für Hörtechnik und Audiologie, Oldenburg, Deutschland

Text

Breitband-Immitanzmessungen werden als vielversprechende objektive audiometrische Messgrößen zu Beurteilung des Mittelohres angesehen. In Studien der letzten Jahre wurde bevorzugt die Breitbandabsorbanz (1 – |R|2, mit der Reflektanz R) als Maß aus der Gruppe der Immitanzmaße genutzt. Bei Säuglingen ist der am häufigsten vorkommende pathologische Mittelohrzustand das Vorhandensein von Flüssigkeit im Mittelohr. Es stellt sich die Frage, ob es einen Unterschied zwischen der Absorbanz und der Impedanz bezüglich der Eignung zur Klassifizierung des Mittelohrzustandes bei Säuglingen zwischen dem Normalzustand und Flüssigkeit im Mittelohr gibt.

Immitanzmessungen an 76 Ohren (63 normalen und 13 pathologischen) von Säuglingen im Alter zwischen 2 Wochen und 5 Monaten wurden für eine Untersuchung zur Klassifikation mit Support-Vector-Machines genutzt. Als Immitanzmaße wurden das Betragsquadrat der Reflektanz |R|2, der Pegel der Impedanz LZ und Pegel und Phase der Impedanz LZ + ϕZ jeweils in Terzen verglichen. Zusätzlich wurde für alle Maße die Verwendung verschieden großer Frequenzbereiche verglichen. Als Frequenzbereiche wurden die Terzen von 250Hz – 6,3kHz, von 1kHz – 6,3kHz und von 2,5 – 6,3kHz verwendet. Um Training und Validierung der Klassifikation umzusetzen wurde 4-fache stratifizierte Kreuzvalidierung mit 9 Wiederholungen eingesetzt. Die Performanz der Klassifikation wurde mit dem Matthews Korrellationskoeffizient (MCC) beurteilt.

Die Ergebnisse zeigen, dass es eine Interaktion zwischen dem verwendeten Immitanzmaß und dem berücksichtigten Frequenzbereich gibt. Die besten Klassifikationsergebnisse lassen sich gleichermaßen mit |R|2 oder mit LZ erzielen. Der über alle Kreuzvalidierungen und Wiederholungen gemittelte MCC liegt hier bei 0,75. Eine Berücksichtigung von Frequenzen < 1kHz führt zu keiner Verbesserung. Für Z wird das beste Ergebnis mit dem Frequenzbereich 2,5kHz – 6,3kHz erreicht, der gemittelte MCC ist mit 0,67 etwas schlechter wobei der Unterschied nicht signifikant ist. Der über alle Kreuzvalidierungen und Wiederholungen gemittelte AUC lag jeweils über 0,9.

Im Fazit schlussfolgern wir, dass sich die Impedanz und Absorbanz (bzw. das Betragsquadrat der Reflektanz) gleichermaßen zur Klassifikation zwischen normalem Mittelohr und Flüssigkeit im Mittelohr bei Säuglingen eignen.