28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
Simulierter M. Menière: Wie beeinflusst ein einseitiger Tieftonhörverlust die Wahrnehmung eines Druckgefühls?
Text
Patient*innen mit M. Menière berichten oft über ein aurales Druckgefühl, das häufig zusammen mit einem tieffrequenten meist einseitigen sensorineuralen Hörverlust auftritt. Zugrunde liegende Wahrnehmungsmechanismen sowie der Zusammenhang der Symptome sind bislang nicht abschließend geklärt. Ziel dieser Studie war es daher zu untersuchen, ob beide Phänomene zusammenhängen.
Hierzu wurde bei zwanzig normalhörenden Proband*innen (17 w, 3 m; M = 25 ± 2,9 Jahre) ein einseitiger Tieftonhörverlust simuliert. Dies erfolgte mit OLSA-Sätzen in vier simulierten Hörverlustgraden (20, 40, 75, 100 dB) sowie unveränderten Kontrollkonditionen. Die Stimuli wurden paarweise dargeboten, bestehend aus einem Hörverlust (HL)-Stimulus und einem Referenz-Stimulus. Nach jedem Durchgang wurden Druckgefühl, betroffene Seite und zugehöriger Stimulus erfasst; in zwei Abschnitten wurde qualitative und quantitative Wahrnehmung erhoben.
In Freitextangaben beschrieben die meisten ein einseitiges Hörempfinden, ein Druckgefühl wurde in der offenen Fragestellung seltener genannt. Bei vorgegebenen Optionen wurde es hingegen am häufigsten ausgewählt. Insgesamt berichteten die Teilnehmenden in 61,7% der Fälle ein Druckgefühl, das mit zunehmendem Hörverlustgrad signifikant anstieg (p < .001). In der Kontrollkondition trat es kaum auf. Die Stimulusdiskrimination war über alle Konditionen hinweg hoch, während die räumliche Zuordnung eingeschränkt war: 74% ordneten das Druckgefühl der kontralateralen Seite zum präsentierten HL-Stimulus zu.
Die Ergebnisse zeigen, dass bereits eine simulierte asymmetrische Hörstörung bei gesunden Personen ein Druckgefühl auslösen kann. Dies spricht für einen funktionellen Zusammenhang zwischen Hörasymmetrie und der Wahrnehmung eines Druckempfindens. Das Simulationsmodell erlaubt eine kontrollierte Annäherung an Wahrnehmungsmechanismen, die in der klinischen Symptomatik des M. Menière eine zentrale Rolle spielen, und bietet Ansatzpunkte für weiterführende Studien.
Abbildung 1 [Abb. 1]
Abbildung 2 [Abb. 2]





