28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
Untersuchung der Test-Retest-Reliabilität eines neuen alltagsnahen Sprachtests mit der verallgemeinerten Binomialverteilung
Text
Fragestellung: Die Reliabilität eines Sprachtests lässt sich anhand verschiedener Merkmale, wie z.B. der perzeptiven Äquivalenz der Testlisten oder der Test-Retest-Reliabilität festmachen. Beim Freiburger untersuchten Holube et al. [1] und Holube et al. [2] die Test-Retest-Reliabilität mit der verallgemeinerten Binomialverteilung. Stohlmann et al. (2026, Beitrag auf dieser Tagung) stellen einen neuen alltagsnahen Sprachtest vor, der durch 3D-Schallfelddarbietung, Alltagsszenensimulation und Einbettung von in die Szene passendem und semantisch plausiblem Sprachmaterial viele Aspekte des Alltags mit einbezieht und ebenfalls für die Hörsystemevaluation eingesetzt werden soll. Dieser Beitrag untersucht die Test-Retest-Reliabilität dieses neuen Sprachtests mit den von Holube et al. [1], [2] vorgeschlagenen Methoden.
Methoden: Einzelwortverständlichkeiten von 24 normalhörenden Probanden bei zwei festen Signal-Rausch-Abständen (SNRs) im Test und Retest wurden zur Untersuchung herangezogen. Diese wurden in geschlossener Form in einer simulierten Cafeteria-Szene mit einem in die Szene passenden Dialog erhoben. 95%-Konfidenzintervalle wurden sowohl mit Standard- als auch mit der verallgemeinerten Binomialverteilung berechnet. Hieraus konnte die effektive Anzahl von getesteten Wörtern n' errechnet werden, die ein äquivalenter Sprachtest mit Wörtern von exakt gleicher Verständlichkeit hätte.
Ergebnisse: Die über alle Probanden gemittelte psychometrische Funktion wies eine SRT von -9,5 dB SNR auf mit inter-individuellen Unterschieden von ca. ±2.5 dB. Analysierte Unterschiede in den Einzelwortverständlichkeiten führen zu 95%-Konfidenzintervallen, die so breit sind, als ob n' = 32 Wörter mit gleicher Verständlichkeit getestet würden. Es zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen Test und Retest. Monte-Carlo-Simulationen bestätigten die durch die verallgemeinerte Binomialverteilung vorhergesagten 95%-Konfidenzintervalle. Streuungen in den Daten ließen sich vollständig mit inter-individuellen Unterschieden in der SRT erklären.
Schlussfolgerungen: Der neue alltagsnahe Sprachtest zeigt eine höhere Test-Retest Reliabilität als für den Freiburger Einsilbertest in Ruhe von Holube et al. [2] berichtet. 95%-Konfidenzintervalle sind allerdings nur wenig schmaler als beim Freiburger. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Sprachtest ein guter Kandidat ist um die Bewältigung einer Alltagssituation durch Normalhörende oder Schwerhörende mit und ohne Hörhilfen reproduzierbar zu evaluieren.
References
[1] Holube I, Winkler A, Nolte-Holube R. Modellierung der Reliabilität des Freiburger Einsilbertests in Ruhe mit der verallgemeinerten Binomialverteilung - Hat der Freiburger Einsilbertest 29 Wörter pro Liste? Zeitschrift für Audiologie. 2018;57(1):6–17.[2] Holube I, Winkler A, Nolte-Holube R. Modellierung und Verifizierung der Test-Retest-Reliabilität des Freiburger Einsilbertests in Ruhe mit der verallgemeinerten Binomialverteilung. Zeitschrift für Audiologie. 2020;2:1–25.



