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28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

Pilot-Studie zur Anwendbarkeit des Hörscreenings in deutschen Gemeindeämtern/Bürgerbüros

Uwe Baumann - Goethe-Universität Frankfurt, Universitätsmedizin, Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Frankfurt a. M., Deutschland
Christiane Völter - Ruhr-Universität Bochum, Katholisches Klinikum Bochum, Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Bochum, Deutschland
Anke Lesinski-Schiedat - Medizinische Hochschule Hannover, Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Hannover, Deutschland

Text

Hörminderungen zählen zu den häufigsten chronischen Erkrankungen weltweit und bleiben häufig unentdeckt. Die WHO empfiehlt regelmäßige Hörtests für Erwachsene, jedoch fehlt in DE ein strukturiertes Hörscreening-Angebot. Diese Studie untersucht die Machbarkeit eines schnellen Hörtests, integriert in die Beantragung oder Verlängerung des Personalausweises in Bürgerämtern, um verschiedene Altersgruppen und Nationalitäten zu erreichen und die frühzeitige Erkennung von Hörstörungen zu ermöglichen. Von November 2025 bis Februar 2026 wurde an drei Standorten – Frankfurt, Hannover und Bochum – eine Pilotstudie durchgeführt. Bürgeramt-Besucher hatten die Möglichkeit, kostenlos an einem Hörtest teilzunehmen. Bei auffälligen Ergebnissen (Hörverlust über 35 dB HL) wurden die Probanden an einen HNO-Arzt oder Hörakustiker verwiesen. Acht Wochen nach dem Test wurden die Teilnehmer befragt, ob sie der Empfehlungen folgten. Weitere Zielgrößen waren der akustische Umgebungspegel, die Akzeptanzrate, und die Erfolgsquote des Tests.

Untersuchungsdesign: Multizentrische Machbarkeitsstudie; es werden mindestens 1.000 Teilnehmer im Alter von 18 bis 85 Jahren erfasst, um eine statistisch relevante Stichprobe zu gewährleisten.

Methodik: An allen Standorten wurde der Hintergrundgeräuschpegel erfasst, um Möglichkeit der Detektion relevanter Hörschäden zu ermöglichen. Ein Tablett-Computer mit einer Hörtest-App wurde genutzt, um Luftleitungsschwellen für beide Ohren zu erfassen. Die Prüfreize wurden über circum-aurale Kopfhörer dargeboten. Der Test wurde von den Probanden nach Anleitung selbst durchgeführt, wobei Unterstützung durch eine Hilfskraft verfügbar war.

Ergebnisse: Bis zum 15. Dezember 2025 lagen Zwischenergebnisse aus dem zentralen Bürgeramt Frankfurt vor. Der Störschallpegel betrug LEQ = 40,3 dB(A). In vier Wochen wurden 155 Probanden rekrutiert, der Altersdurchschnitt lag bei 43,7 Jahren (Spanne 20–83 J). Die Testdurchführung dauerte im Schnitt etwa 5 Minuten. 85,8% der Probanden empfanden den Test als einfach. 14,8% der Teilnehmer erhielten eine Empfehlung zur Kontaktaufnahme mit einem HNO-Arzt; viele hatten bisher noch keine Hörkontrolle durchführen lassen.

Diskussion: In Frankfurt lagen gute akustische Bedingungen vor und die ersten Daten zeigen eine hohe Akzeptanz für das Hörscreening. Die geringe Testdauer stellt keine wesentliche Belastung dar. Fast 15% der Probanden wiesen ein kontrollbedürftiges Ergebnis auf.

Fazit: Die Machbarkeitsstudie deutet darauf hin, dass ein Hörscreening in akustisch geeigneten Umgebungen effektiv durchgeführt werden kann. Weitere Daten aus anderen Zentren sind erforderlich, um die Verlässlichkeit des Siebtests in ungünstigen akustischen Bedingungen zu prüfen.

Förderung: Die Studie wird durch die Stiftung zur Hör- und Sprachförderung (Friedberg) sowie die Internationale Hörstiftung (Hannover) gefördert.