8. Jahrestagung der Wissenschaftlichen Fachgesellschaft für Künstlerische Therapien
8. Jahrestagung der Wissenschaftlichen Fachgesellschaft für Künstlerische Therapien
Das, was (zurück)bleibt. Untersuchung zum Zurücklassen kunsttherapeutischer Werke nach Beendigung einer teil- und stationären Psychotherapie
2Furtbachkrankenhaus Stuttgart, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Deutschland
Text
Hintergrund: Für Patient*innen und Kunsttherapeut*innen sind die Werke in der Kunsttherapie zentral. Werke scheinen dabei besonders wirksam, indem sie über ihre physische Form hinaus Gefühle, Erinnerungen und symbolische Bedeutungen transportieren. Die Entscheidung von Patient*innen, ihre Werke mitzunehmen oder zurückzulassen, wirft methodische und ethische Fragen auf und ist bislang wenig erforscht.
Fragestellung: Welchen Stellenwert haben die in der Kunsttherapie zurückgelassenen Werke der Patient*innen aus Sicht der Kunsttherapeut*innen?
Methoden: Im Rahmen dieser Mixed-Methods-Studie (QUAL + QUAN) wurden Kunsttherapeut*innen mit langjähriger (mind. 4 J.) Berufserfahrung befragt (n=4). Die Datenerhebung erfolgte durch strukturierte Expert*inneninterviews sowie einem studienspezifisch entwickelten und pilotierten Fragebogens über einen Zeitraum von 7 Monaten. Die Auswertung erfolgte anhand der qualitativen Inhaltsanalyse (nach Mayring) sowie deskriptiver Analysen von Häufigkeiten und Zusammenhängen durch Chi-Quadrat-Unabhängigkeitstest und Spearman-Rangkorrelationskoeffizient.
Ergebnisse: Patient*innen hinterlassen kunsttherapeutische Werke aus sieben zentralen Motiven: Erinnerungsvermeidung, unzureichende Prozessintegration, schwache Bindung an Therapie, Deponieren schwieriger Gefühle, Selbstabwertung, krankheitsspezifische Aspekte sowie Tod/ Suizid. Kunsttherapeut*innen bewahren Werke mind. drei Jahre auf, emotional bedeutsame Arbeiten jedoch deutlich länger. Das Zurücklassen kann bei Kunsttherapeut*innen emotionale Reaktionen hervorrufen, die von Wertschätzung bis hin zu Trauer reichen. Die quantitative Auswertung zeigt, dass 45,16% der kunsttherapeutischen Werke zurückgelassen werden.
Diskussion: Die Ergebnisse geben Hinweise darauf, dass Patient*innenarbeiten auch in ihrem Entstehungskontext mehr untersucht werden müssen. Dazu gehört auch die zentrale Rolle der Kunsttherapeut*innen und wie sie u.a. Interventionsangebote machen. Auch das Zurücklassen kann für Patient*innen eine schützende und legitime Funktion haben, was weiterer Forschung bedarf.



