8. Jahrestagung der Wissenschaftlichen Fachgesellschaft für Künstlerische Therapien
8. Jahrestagung der Wissenschaftlichen Fachgesellschaft für Künstlerische Therapien
Wendepunktbilder in der Kunsttherapie im Kontext von Praxis und Forschung
Text
In der kunsttherapeutischen Literatur finden sich eine Vielzahl an Fallberichten, die auf die Relevanz einzelner Bilder im Therapieverlauf hinweisen. Deren Gestaltungsweise sowie Inhalt und Entstehung bergen Erkenntnispotentiale, die emotionale sowie kognitive Lernprozesse ermöglichen. Bislang fehlt es jedoch an einer begrifflichen Konkretisierung von Bildern, die auf ein besonderes Wandlungsgeschehen verweisen und sich dadurch als Wendepunktbilder bestimmen lassen. Das Ziel der Studie war, charakteristische Merkmale von Wendepunktbildern im Kontext der Kunsttherapie mehrperspektivisch zu erfassen, um eine erste Theoriegrundlage sowie Modellbildung zur Erfassung und Beschreibung bildbezogener Wandlungsprozesse zu schaffen. Die Datenbasis bildeten 5 Studien aus Deutschland und Schweden, deren Forschungsschwerpunkte, Veränderungsprozesse und inneren Wandel unter verschiedenen Gesichtspunkten untersuchten. Die Auswertung erfolgte anhand einer dimensionalen Analyse der zentralen Studieninhalte. Wendepunktbilder initiieren, im Sinne eines Türöffners oder Vorreiters, therapeutisch relevante Einsichtsprozesse, die einen sukzessiven strukturellen Wandel im Therapieverlauf stimulieren. Gegensätzliche Positionen in der Selbstwahrnehmung von Patientinnen können im Moment gelebter Einsicht im Wendepunktbild integriert und neuartige Wahrnehmungen in das Selbstbild assimiliert werden. Der Gestaltungsprozess von Wendepunktbildern ging für Patient*innen mit einer starken emotionalen Beteiligung einher, sie erlebten das Wendepunktbild als Kernelement ihres Entwicklungsprozesses, um dessen Zentrum der gesamte Therapieverlauf herum aufgebaut war. Therapeut*innen können Wendepunktbilder retrospektiv innerhalb der Bilderserien identifizieren, einen akuten inneren Wandel erkennen sie eher über die verbale Mitteilung der Patient*innen sowie an nach außen hin sichtbarem Wandel, weniger anhand der Gestaltungen. Veränderungswissen nimmt direkten Einfluss auf weiterführende Interventionsentscheidungen. Darum sollten bildbezogene Einsichts- bzw. Wandlungsprozesse im Ausbildungskontext der Kunsttherapie weiter beforscht werden.



