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8. Jahrestagung der Wissenschaftlichen Fachgesellschaft für Künstlerische Therapien

Wissenschaftliche Fachgesellschaft für Künstlerische Therapien
13.-14.11.2025
Berlin


Meeting Abstract

Intersektional sensible Kunsttherapie: Ansätze für soziale Gerechtigkeit im internationalen Diskurs und Privilegienbewusstsein von Kunsttherapeut*innen im deutschsprachigen Raum

Johanna N. Henschelmann 1
Kerstin Schoch 1
Heidi Salaverría 1
1Medical School Hamburg, Deutschland

Text

Die vorliegende Masterarbeit betrachtet, wie intersektionale Sensibilität von Kunsttherapeut*innen gestärkt werden kann. Zunächst werden theoretische Ansatzpunkte für soziale Gerechtigkeit erörtert und, wie Kunsttherapie für Nutzende zugänglicher werden kann. Hierzu zählt, dass Kunsttherapeut*innen sich tiefgehend mit gesellschaftlichen Machtstrukturen auseinandersetzen, eigene Privilegien sowie Diskriminierung-reproduzierende Elemente im Wissens- und Methodenfundus reflektieren. Im quantitativen Forschungsdesign nach Krammer et al. (2024) wurde eine Online-Umfrage mit 144 (angehenden) Kunsttherapeut*innen im deutschsprachigen Raum durchgeführt. Deren Privilegienbewusstsein bezüglich Rassismus, Klassismus und Heterosexismus wurde anhand der adapted Awareness of Privilege and Oppression Scale-2 erhoben. Mittels linearer Regression (kontrolliert für Alter) wurde geprüft, ob von Marginalisierung betroffene Personen über ein höheres Privilegienbewusstsein verfügen. Zudem wurde gefragt, inwiefern Privilegierung und Diskriminierung als therapierelevante Faktoren im Studium thematisiert werden. Die Ergebnisse zeigen, dass diese Themen im Studium mehrheitlich nicht behandelt werden. 34.7% der Teilnehmenden bestätigten für Diskriminierung eine Thematisierung, deutlich seltener für Privilegierung. Eine Mehrheit (64.6%) fühlt sich eher nicht bis überhaupt nicht auf den Umgang mit Diskriminierungserfahrungen von Patient*innen vorbereitet. Das Privilegienbewusstsein ist bei Personen statistisch signifikant höher, welche einer marginalisierten Gruppe angehören (B=.397, ß=.263, 95%-KI:.160–.634, p=.001). Die Befunde stützen jene der benannten Referenzstudie (Krammer, T., Saase, S., Berth, H. & Kilian, C. (2024). Diskriminierungssensible Psychotherapie: Wie hoch ist das Privilegienbewusstsein von Psychotherapeut*innen in Deutschland? Psychotherapie, Psychosomatik, medizinische Psychologie, 74(3-04), 120–128. https://doi.org/10.1055/a-2244-7468). Insgesamt wird ein Bedarf abgeleitet, in kunsttherapeutischen Studiengängen Einflüsse von gesellschaftlichen Machtverhältnissen auf Therapie-Prozesse stärker zu vermitteln.