8. Jahrestagung der Wissenschaftlichen Fachgesellschaft für Künstlerische Therapien
8. Jahrestagung der Wissenschaftlichen Fachgesellschaft für Künstlerische Therapien
Eine qualitative Interviewstudie zur Ermittlung des Bedarfs und der Anforderungen von Menschen mit psychischen Belastungen und Expert:innen an eine kunsttherapeutische App
2Universitätsmedizin Essen, Westdeutsches Protonentherapiezentrum Essen, Deutschland
Text
Hintergrund: Digitale Interventionen im Bereich psychischer Gesundheit haben in den vergangenen Jahren zunehmend an Relevanz gewonnen. Während für die allgemeine psychotherapeutische Versorgung bereits verschiedene digitale Ansätze vorliegen, ist die Verfügbarkeit digitaler, evidenzbasierter kunsttherapeutischer Angebote sowohl international als auch im deutschsprachigen Raum gering. In der psychotherapeutischen Versorgung wurden die ökonomischen und therapeutischen Vorteile, Möglichkeiten und Bedarfe der Zielgruppen, hinsichtlich achtsamkeitsbasierten und psychotherapeutischen Apps, bereits umfangreich untersucht. Studien zeigen zudem, dass der Einbezug der Zielgruppe in die Entwicklung die Wirksamkeit, Adhärenz und Akzeptanz deutlich steigern kann.
Ziel: Diese qualitative Interviewstudie untersucht die Anforderungen, Erwartungen und Bedarfe von Patient:innen und Expert:innen an eine kunsttherapeutische App. Im Fokus stehen zudem die Akzeptanz sowie wahrgenommene Vorbehalte und Risiken im Rahmen einen User-Centered-Design Ansatzes.
Methode: Es wurden leitfadengestützte Interviews mit n=6 Patient:innen durchgeführt, die sich in tagesklinischer oder stationärer Psychotherapie, innerhalb einer psychosomatischen Universitätsklinik befanden. Zusätzlich wurden n=10 Kunsttherapeut:innen als Expert:innen befragt. Die Auswertung erfolgte mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring unter Anwendung induktiver und deduktiver Kodierung.
Ergebnisse: Die Analyse identifizierte spezifische Bedarfe der Patient:innen und Expert:innen in Bezug auf eine kunsttherapeutische App. Zudem konnten Bedingungen, Anforderungen, Erwartungen und Einsatzfelder identifiziert werden, die für die Entwicklung einer nutzer:innenfreundlichen Anwendung beitragen.
Schlussfolgerung: Die Ergebnisse liefern wertvolle Erkenntnisse für die Entwicklung digitaler kunsttherapeutischen Interventionen für Menschen mit psychischen Belastungen. Es zeigte sich ein klarer Bedarf innerhalb der kunsttherapeutischen Versorgung begleitet von einer hohen Akzeptanz und Offenheit für die Nutzung einer entsprechenden Anwendung. Dieses Potenzial könnte konkret im Aftercare Zeitraum genutzt werden. Daneben zeigte sich eine begrenzte Vorstellbarkeit digitaler Einsatzmöglichkeiten seitens der Expert:innen, was weiteren Forschungsbedarf unterstreicht.



