8. Jahrestagung der Wissenschaftlichen Fachgesellschaft für Künstlerische Therapien
8. Jahrestagung der Wissenschaftlichen Fachgesellschaft für Künstlerische Therapien
Zwischen Ausdruck und Evidenz: Das offene Atelier in der Akutpsychiatrie neu denken
Text
Kunsttherapie ist ein wesentlicher Bestandteil der psychiatrischen Akutversorgung. In Krisensituationen, in denen sprachbasierte Verfahren an ihre Grenzen stoßen, eröffnen kreative Prozesse alternative Zugänge zur Affektregulation, Beziehungsförderung und Stabilisierung. Das offene Atelier, mit seiner langen Tradition in therapeutischen Kontexten, bietet dabei ein wegweisendes Konzept: Es ist prozessorientiert, niedrigschwellig, fördert Autonomie und soziale Integration mitten in existenziellen Krisensituationen. Aktuell steht es jedoch vor der Herausforderung, unter institutionellen Bedingungen wie verkürzten Aufenthaltszeiten und wachsendem Bedarf an evidenzbasierten Kurzzeitangeboten seine Relevanz zu behaupten. Im Rahmen der Neustrukturierung der Kunsttherapie bei den Psychiatrischen Diensten Aargau (PDAG) wurde ein offenes Atelier speziell für Akutstationen entwickelt, das im Jahr 2026 in neu konzipierten Räumlichkeiten umgesetzt werden soll. Es integriert kunsttherapeutische Qualitätsstandards in einen interdisziplinären Behandlungsansatz und ermöglicht eine flexible, patientenzentrierte Begleitung. Die praktische Umsetzung, soll nun zeitgleich in ein qualitativ angelegtes Forschungsvorhaben eingebettet werden, das einem Mixed-Methods-Design mit kunstbasierten und partizipativen Elementen folgt. Systematische Beobachtungen, künstlerisch-reflexive Dokumentationen, offene Interviews sowie die Analyse visueller und verbaler Materialien bilden die methodische Grundlage. Dabei steht eine situierte und relationale Perspektive im Zentrum, um die Wirkfaktoren des offenen Ateliers auf expressiver, symbolischer, materieller, sozialer und klinischer Ebene zu erfassen. Abschließend soll das Forschungsvorhaben sichtbar gemacht und eine institutionelle Kooperation initiiert werden. Ziel ist es zentralen Wirkfaktoren zu analysieren und ihre Bedeutung im klinischen Kontext zu verstehen. Dabei soll die Evidenzbasis der kunsttherapeutischen Praxis gestärkt und ihre Sichtbarkeit in der akutpsychiatrischen Versorgung erhöht werden.



