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52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie


06.-08.05.2026
Würzburg

Meeting Abstract

Prospektiver Vergleich von AR-V7-Transkripten aus Vollblut und zirkulierenden Tumorzellen bei Patienten mit kastrationsresistentem Prostatakarzinom unter Behandlung mit Androgenrezeptor-Signalweg-Inhibitoren (PEARL-Studie)

Matthias Heck - Universitätsklinikum Augsburg, Klinik für Urologie, Augsburg, Deutschland
Robert Tauber - TUM Klinikum Rechts der Isar, Klinik für Urologie, München, Deutschland
Shamim Sarhadi - TUM Klinikum Rechts der Isar, Institut für Klinische Chemie und Pathobiochemie, München, Deutschland
Marion Jäger - TUM Klinikum Rechts der Isar, Klinik für Urologie, München, Deutschland
Julia von Tucher - Universitätsklinikum Augsburg, Klinik für Urologie, Augsburg, Deutschland
Thilo Westhofen - Universitätsklinikum Augsburg, Klinik für Urologie, Augsburg, Deutschland
Katharina Püchler - TUM Klinikum Rechts der Isar, Institut für Klinische Chemie und Pathobiochemie, München, Deutschland
Lukas Lunger - TUM Klinikum Rechts der Isar, Klinik für Urologie, München, Deutschland
Roman Nawroth - TUM Klinikum Rechts der Isar, Klinik für Urologie, München, Deutschland
Jürgen E. Gschwend - TUM Klinikum Rechts der Isar, Klinik für Urologie, München, Deutschland
Jürgen Ruland - TUM Klinikum Rechts der Isar, Institut für Klinische Chemie und Pathobiochemie, München, Deutschland
Christof Winter - TUM Klinikum Rechts der Isar, Institut für Klinische Chemie und Pathobiochemie, München, Deutschland

Text

Einleitung: Die Androgenrezeptor-Spleißvariante 7 (AR-V7) gilt als potenzieller Biomarker für eine Resistenz gegenüber Androgenrezeptor-Signalweg-Inhibitoren (ARSI) beim metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinom (mCRPC). Ziel dieser prospektiven Studie war es, die prädiktive Aussagekraft der AR-V7-mRNA-Bestimmung aus Vollblut (WB) im Vergleich zur Analyse aus zirkulierenden Tumorzellen (CTCs) zu validieren.

Methodik: In der prospektiven PEARL-Biomarkerstudie wurden mCRPC-Patienten untersucht, die eine Therapie mit Abirateron oder Enzalutamid begannen (NCT02269982). Vor Therapiebeginn entnommene Blutproben wurden mittels Droplet-Digital-PCR auf AR-V7-mRNA im Vollblut und mittels quantitativer PCR nach CTC-Anreicherung analysiert. Primärer Endpunkt war das Therapieansprechen, definiert als PSA-Abfall ≥50%. Sekundäre Endpunkte umfassten PSA-progressionsfreies Überleben (PSA-PFS), klinisches progressionsfreies Überleben (cPFS) und Gesamtüberleben (OS).

Ergebnisse: Insgesamt wurden 111 Blutproben von 107 mCRPC-Patienten eingeschlossen. Die Ausfallraten der Tests betrugen 0% (0/111) für die Vollblut-basierte Untersuchung und 19% (21/111) für die CTC-basierte Untersuchung. Eine hohe AR-V7-Expression im Vollblut war in 10% (11/111) nachweisbar, während AR-V7 in CTCs in 31% (28/90) detektiert wurde. Der AR-V7-Nachweis aus Vollblut war signifikant mit dem Therapieansprechen assoziiert (p=0,02), wohingegen die CTC-basierten Testergebnisse dies nicht waren (p=0,06). In multivariablen logistischen Regressionsmodellen unter Adjustierung für wichtige klinische Kovariaten blieb der AR-V7-Status im Vollblut ein unabhängiger Prädiktor für Nicht-Ansprechen mit einer Odds Ratio von 6,1 (95%-KI 1,1–67,3; p=0,04), während die CTC-basierte AR-V7-Bestimmung nicht signifikant assoziiert war (OR 1,7; 95%-KI 0,6–4,9; p=0,3). Unter den Fällen mit positivem AR-V7-Status erreichte nur 1 (10%) im Vollblut-Test einen PSA-Abfall ≥50%, verglichen mit 8 (31%) im CTC-basierten Test. Hohe AR-V7-Spiegel im Vollblut waren zudem mit kürzerem PSA-PFS, cPFS und OS verbunden; ähnliche, jedoch schwächere Zusammenhänge fanden sich für CTC-basierte Messungen.

Schlussfolgerung: Die Bestimmung der AR-V7-RNA-Spiegel im Vollblut wurde prospektiv als Prädiktor für ein schlechtes Therapieergebnis bei mCRPC-Patienten unter Behandlung mit Abirateron oder Enzalutamid validiert. Im Vergleich zum CTC-basierten Test zeigte der Vollblut-Test eine höhere Erfolgsrate der Testdurchführung, eine geringere Nachweisrate von AR-V7, jedoch eine bessere Stratifikation der Therapieresistenz.