52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
Active Surveillance oder Therapie? Retrospektive Analyse des Verlaufs von Patienten mit ISUP I Prostatakarzinom
Text
Einleitung: Internationale Leitlinien empfehlen eine Active Surveillance (AS) bei Patienten mit einem ISUP 1 Prostatakarzinom (PKa), primär um eine Übertherapie zu vermeiden. Es gibt aus Österreich keine verlässlichen Daten wie konsequent eine AS umgesetzt wird. Ziel dieser retrospektiven Studie war es diese Fragestellung zu analysieren.
Methodik: In diese retrospektive, monozentrische Studie wurden alle Patienten bei denen 2015–2023 an unserer Abteilung ein ISUP 1 Prostatakarzinom mittels mpMRT gesteuerter Prostatabiopsie diagnostiziert wurde, aufgenommen. Erfasst wurden demographische Daten, initiale Tumorcharakteristika, gewählte Therapiestrategie, Verlaufsdaten sowie die PSA-Werte. Die statistische Auswertung erfolgte deskriptiv, ergänzt durch explorative Subgruppenanalysen.
Ergebnisse: Insgesamt wurden in diesem Zeitraum bei 200 Patienten ein ISUP 1 PKa diagnostiziert, bis dato wurden die Daten von 83 Patienten ausgewertet. Das durchschnittliche Alter betrug 67.0 Jahre (95%-Konfidenzintervall [KI]: 66.2–67.9 Jahre). Der mittlere PSA-Wert betrug 7,6 ng/ml (95%-KI: 6,6–8,5 ng/ml), das durchschnittliche Prostatavolumen 46.9ml (95%-KI: 44.1–49.6 ml). Primär wurde 56 Patienten (67.5%) eine AS empfohlen. Im weiteren Verlauf wechselten 13 Patienten (23.2%) zu einer kurativen Therapie (5 radikale Prostatektomie, 8 Bestrahlung). 25 Patienten (30.1%) wurde initial eine kurative Therapie empfohlen, von denen 23 (92%) tatsächlich eine solche erhielten.
Schlussfolgerung: Diese vorläufigen Daten zeigen, dass eine AS nicht durchgehend angeboten wird und dass etwa ein Viertel der Patienten diese abbrechen. Bei der Interpretation dieser Daten ist die relativ lange Rekrutierungsdauer zu berücksichtigen und dass eine dezidierte Leitlinienempfehlung zur AS bei ISUP 1 erst seit wenigen Jahren existiert. Die abschließende Analyse der Gesamtkohorte soll die Versorgungsrealität noch besser abbilden.



