52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
Stockholm3-Test zur Risikostratifizierung in der Prostatakrebsvorsorge
Text
Einleitung: Im Rahmen der Prostatakrebsfrüherkennung rückt die risikoadaptierte Diagnostik immer mehr in den Vordergrund. Der Stockholm3-Test (Stk-3-Test) beinhaltet neben klinischen Parametern verschiedene blutbasierte Biomarker zur individuellen Risikoabschätzung eines signifikanten Prostatakarzinoms. In dieser Studie wurde sowohl der Grund für die Inanspruchnahme des Tests sowie die mögliche Reduktion einer Über- oder Unterdiagnostik im Rahmen der Prostatakrebsfrüherkennung evaluiert.
Methodik: Insgesamt wurden Daten von 93 Männern, die sich von März 2024 bis November 2025 an der Urologischen Klinik München-Planegg für einen Stk-3-Test als Prostatakrebsfrüherkennungstool entschieden, erhoben und retrospektiv analysiert. Männer mit einem PSA-Wert unter 1,5 ng/ml (n=23) erhielten keine weiterführende Testung. Mit einem Stockholm 3-Risikofaktor (Stk-3-RF) über 13 gilt das Vorliegen eines signifikanten Prostatakarzinoms (Gleason Score ≥ 7a) als wahrscheinlich (Testergebnis positiv).
Ergebnisse: Im Mittel waren die Männer zur Zeit der Durchführung des Stk-3-Tests 65 Jahre alt (40–86 Jahre). Fast ein Viertel (n=23, 24%) zeigte eine positive Familienanamnese auf. Der Stk-3-RF ergab im Median einen Wert von 16 (4-75). In 55% (n=51) war der Stk-3 Test positiv (Stk-3-RF >13). Der häufigste Vorstellungsgrund war eine PSA-Erhöhung oder ein unklarer PSA-Anstieg im Rahmen der regulären Vorsorge (n=39; 42%). Zweithäufigster Grund war der Patientenwunsch primär einen Stk-3-Test im Rahmen der individuellen Vorsorge durchzuführen (n=18; 19%). Im Vergleich zum PSA-Wert allein wurde mit dem Stk-3-Test als Entscheidungshilfe 15% weniger weiterführende Diagnostik empfohlen. Bei 8 Patienten (8,6%) mit negativem Stk-3-Testergebnis trotz erhöhtem PSA-Wert (≥3 ng/ml) wurde tatsächlich keine weitere Diagnostik durchgeführt und somit eine mögliche Überdiagnostik vermieden.
Schlussfolgerung: Der Großteil der Männer nahm den Stk-3-Test ergänzend zu einer bereits erfolgten PSA-basierten Prostatakrebsvorsorge in Anspruch. Auf Grundlage des Stk-3-RF konnte etwa jedem 12. Mann eine weiterführende Diagnostik erspart werden. In 2 Fällen wurde trotz PSA-Werten unter 3 ng/ml bei positiven Stk-3-Test ein klinisch signifikantes Prostatakarzinome nachgewiesen. Somit stellt der Stk-3-Test einen möglichen Baustein im Rahmen einer risikostratifizierten Prostatakrebsfrüherkennung dar.



