52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
Onkologische Ergebnisse in einer „PROTEUS-ähnlichen“ Kohorte von Hochrisiko-Prostatakarzinomen, die mittels radikaler Prostatektomie ohne perioperative Hormontherapie behandelt wurden
Text
Einleitung: Hochrisiko-Prostatakarzinome sind mit einem hohen Risiko für Rezidive, Metastasierung und Mortalität verbunden. Neoadjuvante systemische Therapien vor radikaler Prostatektomie (RP) gelten weiterhin als experimentelll. Die PROTEUS-Studie untersucht eine perioperative Behandlung mit Apalutamid plus Androgendeprivationstherapie (ADT), enthält jedoch keine reine OP-Kontrollkohorte. Ziel dieser Arbeit war es, onkologische Ergebnisse bei nach PROTEUS definierten Hochrisiko-Patienten zu analysieren, die ohne perioperative systemische Therapie operiert wurden.
Methodik: In einer retrospektiven Singel-Center-Studie wurden konsekutive Patienten eingeschlossen, die die PROTEUS-Kriterien erfüllten und sich einer RP mit Lymphadenektomie ohne vorherige ADT oder neoadjuvante Behandlung unterzogen hatten. Primäre Endpunkte waren das biochemisch rezidivfreie Überleben (BCR-FS) und das metastasenfreie Überleben (MFS); sekundäre Endpunkte umfassten das ereignisfreie Überleben (EFS) und das krebsspezifische Überleben (CSS).
Ergebnisse: Unter 1.392 Patienten betrug das BCR-FS nach 36, 60 und 120 Monaten 60% (95%-KI: 56,5–63,5), 44% (95%-KI: 39,5–48,5) bzw. 22% (95%-KI: 16,5–27,5). Das MFS lag bei 79% (95%-KI: 75,5–82,5), 71% (95%-KI: 66–76) und 56% (95%-KI: 47–65). Das EFS betrug 56% (95%-KI: 52–60), 40% (95%-KI: 35,5–44,5) und 18% (95%-KI: 13–23). Das CSS blieb hoch mit 95,5% (95%-KI: 94–97), 92% (95%-KI: 90–94) und 86% (95%-KI: 81–91). Limitationen waren das retrospektive Ein-Zentrum-Design, das Fehlen einer zentralen pathologischen Begutachtung sowie eine noch nicht abgeschlossene Nachbeobachtungszeit.
Schlussfolgerung: Diese reine Operationskohorte liefert wichtige Referenzdaten zu onkologischen Ergebnissen bei nach PROTEUS-definiertem Hochrisiko-Prostatakarzinom nach primärer RP. Die Ergebnisse erleichtern die Interpretation neoadjuvanter Studien und könnten zur Entwicklung risikoadaptierter perioperativer Strategien beitragen. Eine prospektive Validierung ist notwendig, bevor perioperative systemische Therapien routinemäßig eingesetzt werden können.



